„Lieber Sohn, Du bringſt mich zur Verzweif⸗ lung! Ich beſchwöre Dich, bedenke doch, daß es in der Natur der Träume liegt, immer über die Wahrheit hinauszugehen. Unſer Geiſt gehört uns da nicht mehr an; er läßt ſich zu den ſeltſam⸗ ſten, fantaſtiſchſten Seitenſprüngen hinreißen. Die Wahrheit über dieſen Traum, mein Sohn, iſt kurz die: Ottavio iſt von Eurem Streit geſtern Abend peinlich berührt worden; aber Gott ſei Dank, es liegt ein wahrer Abgrund zwiſchen einem ſolchen Unmuth und dem Entſchluß oder auch nur dem Ge⸗ danken ſich ſelbſt nach dem Leben zü trachten. Noch einmal, er träumte; ſein Geiſt gehörte ihm nicht mehr an, und vielleicht wird er ſich beim Erwachen nicht einmal mehr an dieſen unglückſeligen Traum erinnern.“
„Möge der Himmel Sie erhören, mein Vater! aber ich, ich zittere.“
„Damit iſt indeſſen nicht geſagt, daß dieſe Worte, die Deinem Bruder im Schlaf entfuhren, durchaus keine Bedeutung haben. Rein, nein; ſie beweiſen, wie ſehr der Verluſt Deiner Liebe ihn ſchmerzt; aber glücklicher Weiſe ſind ſie auch Dir tief zu Her⸗ zen gegangen, dafür zeugt mir die rührende Ueber⸗ treibung Deiner Befürchtungen.“
„Ach, dieſe Worte ſind für mich eine furchtbare Enthüllung geweſen: ſie haben mir die Tiefe des Herzeleids gezeigt, das ich Ottavio angethan habe, da ich ihm das Leben ganz entleidete.“
Und mit neuem Beben fügt Felippe hinzu:
„Weh mir! Dieſer ſchauerliche Gedanke verfolgt mich und wird mich ſtets verfolgen. Ach, wenn


