Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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XXIII.

Es iſt ein Uhr Morgens.

Sylvia ſitzt allein in einem kleinen Sälon neben ihrem Schlafzimmer. Sie iſt tief in Gedanken ver⸗ ſunken und ſchwer darniedergebeugt. Ihre bleichen, entſtellten Züge verrathen ein ſchmerzliches Leiden, denn wir haben es bereits geſagt, dieſe junge Frau iſt von einer ſolchen nervöſen Empfindſamkeit, daß ſie beim Anblick des moraliſchen Böſen in ihrem Herzen einen tiefen, heftigen Schmerz empfindet.

Eine Füllung des Getäfels im Salon des Erd⸗ geſchoſſes, wo Sylvia ſich aufhält, gleitet geräuſch⸗ los in ihrer Fuge hin; ein kalter Luftzug, wie er etwa aus einem unterirdiſchen Gelaß kommen könnte, dringt aus der im Getäfel angebrachten Oeffnung, die zu einem geheimen Gange führt, aus welchem Wolfrang mit einer Blendlaterne in der Hand her⸗ vorkommt. Er löſcht die Laterne aus und ſtellt ſie auf einen Leuchterſtuhl, nachdem er die Oeffnung von Neuem verdeckt und die Füllung des Getäfels wieder in ihren alten Platz gebracht hat.

Sylvia iſt dermaßen in ihre Träumerei verſun⸗ ken, daß ſie Wolfrangs Gegenwart nicht bemertt. Er bleibt ſtehen und betrachtet ſie mit einem Aus⸗ druck unſäglicher Liebe, Beſorgniß und Theilnahme; eine Thräne glänzt in ſeinen Augen, während ein

Lächeln auf ſeinen Lippen ſchwebt. Das Lächeln 6

gilt der Hoffnung und die Thräne iſt dem gegen⸗ wärtigen Schmerz ſeiner Genoſſin geweiht; aber Wolfrang iſt überzeugt, daß er ſie von dieſen Lei⸗ den heilen wird, deren Urſache er kennt; er nähert