273
ſich ſachte der jungen Frau, ergreift zärklich ihr Hand und ſagt zu ihr: 3
„Muth, meine Sylvia, Muth!“
Die junge Frau fährt zuſammen, erwacht aus ihrer Träumerei, wendet ihr ſchmerzerfülltes Geſicht gegen Wolfrang und ſagt: „Schon zurück?“ .
„Ja, und ich komme mit der zuverſichtlichen Hoffnung zurück, daß ich Deine arme, verwundete Seele heilen werde; ich habe es Dir vor einem Jahre verſprochen; die Umſtände ſind mir günſtig, ich werde mein Verſprechen halten.“
„Eitle Hoffnung!“ antwortet Sylvia, indem ſie
mit einem Ausdruck des Zweifels und bitterer Trau⸗
rigkeit den Kopf ſchüttelt. „Du täuſcheſt mich oder
Dich ſelbſt, mein Wolfrang; dieſe ſo lange Zeit er⸗
wartete Prüfung vergrößert und reizt meine Leiden,
ſtatt ſie zu beſchwichtigen. Sieh, noch einmal und
ſ letzten Mal, denn ich bin müde, müde, will ich
agen „Das Böſe, die Heuchelei, die Ungerechtigkeit bleiben ſtets ungeſtraft, triumphiren und jubeln in
dieſer erbärmlichen Welt, wo ich nicht länger weilen will. Zauberiſche Hüllen verdecken abſcheuliche Wirk⸗
lichkeiten; Alles iſt Täuſchung, Gaunerei und Lüge. Auf wen kann man ſich verlaſſen? Was kann man glauben? Gerechter Gott! Heute Abend hat dieſe Antonine, die mir ſo aufrichtig, ſo rein, ſo ehrlich
erſchien, ſich gegen die Schmach nicht zi c
können, deren ihr Bräutigam ſie beſchuldigte.
Wolfrang, es gibt Etwas, das noch ſcheuflicher iſt als das Laſter, nämlich die Heuchelei, die es ver⸗
beckt. Herr Dubousquet mit ſeinem ſo kee 5
Sue, Geheimniſſe d. Kopfliſſens. I.


