Teil eines Werkes 
5. Band (1856)
Entstehung
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Kälte leicht angerötheter Teint war roſig, friſch, durchſichtig wie der eines Kindes, das Roth ihrer Lippen, der glänzende Email ihrer Zähne, der feuchte Azur ihrer großen Augen mit den weißen und rei⸗ nen Lidern, das feſte, ſammtweiche Fleiſch — alles athmet Jugend, Geſundheit, Leben, Kraft; und wie wir ſagten, Richard iſt anfangs ganz geblendet von dem göttlichen Enſemble der Schönheiten Dona Juanas, die ihm noch zugenommen zu haben ſchienen.

Indeß nach einem Augenblick näherer Prüfung folgt auf die erſte Bewunderung Richards ein Gefühl unbeſchreiblicher Trauer . . .

Ach! trotz der bezaubernden Anmuth ihrer Züge verrieth die Phyſiognomie Dona Juanas die düſterſte Atonie, die bitterſte Enttäuſchung. Was ſagen wir? man ahnte unter dieſer ſo jungen, ſo roſigen, ſo friſchen, ſo verführeriſchen Maske . . eine Art mo⸗ raliſchen Todes: die Erſchöpfung der geiſtigen Fähig⸗ keiten, die Zerrüttung der Gefühle.

So ſieht man Körper, welche lange unter einem eiſigen Schneé gelegen, das lachende Aeußere des Lebens bewahren auch nachdem das Herz zu ſchlagen aufgehört.

Herr d'Otremont fühlte eine ſo tiefe Aufregung, daß er in eine ſchweigſame Betrachtung vertieft bleibt.

Jeane, welche die outzüiche Ueberraſchung Ri⸗ chards bemerkt, ſagt im Tone liebevollen Vorwurfes zu ihm, indem ſie ihm ihre reizende Hand bietet:

„Wie mein Freund kein Wort .. nach einer ſo langen Lrennung?“

Richard nimmt die Hand, welche Dona Juana ihm bietet, berührt ſie höflich mit ſeinen Lippen und