252
kam, als die Thüre ſich langſam vor ihm öffnete. Er ſtand ſeinem Vater gegenüber, den er anfangs nicht anzuſehen wagte. Das Vorzimmer war übri⸗ gens ſehr dunkel, Maurice gewahrte deßhalb auch die Leichenbläſſe und die düſtere Niedergeſchlagenheit der Züge des Herrn Dumirail nicht, der in ſechs Wochen um zehn Jahre älter geworden zu ſein ſchien. Er zitterte, hob bei dem Anblick ſeines Sohnes die Augen zum Himmel empor, und erwartete dann mit einem Blicke voll Zärklichkeit, Schmerz und Kummer, den er auf ihn heftete, mit unausſprechlicher Unruhe
die erſten Worte, welche dieſer an ihn richten
würde.
„Guten Morgen, mein Vater . . . wie befindet ſich meine Mutter?“
„Das arme, unglückliche Kind, es weiß noch nichts! Dieſe furchtbare Frau hat ihm, unempfind⸗ lich gegen meine Bitten, den Todeskampf ſeiner Mut⸗ ter verborgen,“ dachte Herr Dumirail mit Schrecken und ohne auf die Frage ſeines Sohnes zu antwor⸗ ten, ging er ihm in den anſtoßenden Salon voran.
Die geſchloſſenen Läden ließen nur ein düſteres und zweifelhaftes Licht in dieſes Zimmer fallen, wo eine große Unordnung herrſchte. Da und dort, auf
dem Kaminmantel oder einem Tiſche, ſah man halb
gefüllte Arzneikolben, Stücke Leinwand, leinene Bin⸗ den und in einem Gefäße eines jener letzten Mittel, mit denen man das erlöſchende Leben der Sterben⸗ den aufzufriſchen ſucht. Der Anblick dieſer Dinge, das traurige Halbdunkel und die Stille, die in dem Zimmer herrſchte, die niedergeſchlagene Miene des
Herrn Dumirail machten einen tiefen Eindruck auf


