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ben hat. Sie kennen ihre Schrift, leſen Sie die 3 Briefe, die man Ihnen ſchickt: ſie ſind von ihrer Hand
und werden Ihnen durch das Gepräge der Schamloſig⸗ 1
keit, das jede Zeile an ſich trägt, die ſchändliche Ver⸗
dorbenheit Ihrer Mutter beweiſen. Dieſen Briefen iſt
ihr Portrait beigefügt, das ſie einſt einem von den zahl⸗ reichen Liebhabern, die ſie zu Grunde gerichtet, geſchenkt
hat; befragen Sie ſie über ihre heilloſe Vergangenheit;
ſo verſchmitzt, ſo frech ſie auch iſt, ſie wird es nicht wa⸗
gen, die Wahrheit zu leugnen. 3
„Ein Freund der Wahrheit.“
„Heute Abend wird ein an Ihren Meiſter und an die Arbeiter ſeiner Werkſtätte gerichteter Brief Ihre Ka⸗ meraden davon unterrichten, daß Sie der Sohn von Ca⸗ therine von Morlac, der Buhlerin, ſind.“
„Großer Gott!“ rief Michel, nachdem er dieſes Billet geleſen; und er wurde todesbleich und blieb einen Augenblick ſtumm, verſteinert, den Kopf auf ſeine Bruſt geſenkt.
„Michel, was haben Sie?“ fragte Catherine, und nicht minder erſchrocken, zitternd rief Camille:
„Frau Catherine, wie bleich iſt er! Es iſt alſo eine ſchlimme Kunde, was man ihm mittheilt?“
Der junge Mann erwachte plötzlich wieder, las aber⸗ mals die paar Zeilen des Billets, wandte ſich an den Commiſſionär und rief mit bebender Stimme:
„Die Briefe, das Portrait!“
Der Bote zog aus ſeiner Taſche das verſiegelte Päckchen und das Etui, das er vorläufig öffnete, um das Portrait ins Licht zu ſtellen, und übergab ſodann beide Gegenſtände Michel. Dieſer ſtieß einen herzzerreißenden Schrei aus, nachdem er einen Blick auf das Medaillon geworfen hatte, welches Catherine von Morlac im ganzen Glanze ihrer Jugend und ihrer Schönheit vorſtellte Um


