492
„Entartete Tochter! ſchändliche Tochter!“ rief Ma⸗ dame Jouffroy vor Verzweiflung die Hände ringend: „Verflucht ſei der Tag, an dem ich Dich geboren!“
Dieſer abſcheuliche, providenzielle Streit zwiſchen der Mutter und der Tochter wurde unterbrochen durch die Erſcheinung des Vetters Ronſſel, den die Dienerin mit den Worten einführte:
„Hier iſt ein Herr, der Madame im Auſtrage von Herrn Badineau ſprechen will.“
XX.
Der Vetter Rouſſel hatte am Tage vorher, des Krie⸗ ges müde, den wiederholten, dringenden Bitten von Herrn Badineau nachgegeben und ſich, obgleich er ſich dieſe Schwäche vorwarf, entſchloſſa, der Geliebten ſeines Freundes, die dieſer Frau von Arcueil nannte (ein dem Vetter Rouſſel völlig unbekannter Name), Vernunft einzureden. Der Erbitterung preisgegeben, in die ihn die Ereigniſſe verſetzten, welche am Tage vorher im Spiel⸗ hauſe von Clara vorgefallen waren, hatte Herr Badineau die Sendung, mit der er ſeinen Freund beauftragt, völlig vergeſſen, und dieſer kam, um ſich derſelben zu entledigen, zu der vorgeblichen Frau von Arcueil.
Man denke ſich das Erſtaunen, den Schmerz von Vetter Rouſſel, als er ſich Anrelie und ihrer Mutter ge⸗ genüber fand, als er in den Zügen von dieſer das Ge⸗ präge einer finſteren Verzweiflung wahrnahm, und die Gräfin Morgens um zehn Uhr in einem Ballkleide, den Kopfputz in Unordnung, das Geſicht verzerrt, entſtellt durch die ſchlimmen Empfindungen, welche in ihr der Streit mit ihrer Mutter erweckt hatte, vor ſich ſah!. ..
Joſeph hatte endlich bei ſeinem Eintritte in die Wohnung die entſetzlichen Worte an Aurelie von Ma⸗ dame Jouffroy gerichtet vernommen. „Entartete Toch⸗


