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Lohn ſchuldig iſt, ohne daß ſie mir auch noch wegen der Andern brummen. Iſt es mein Fehler, wenn man hier bis über den Hals in Schulden ſteckt? Da will ich lieber gehen!“
„Gut, Sie werden auf der Stelle gehen!“ rief Ma⸗ dame Joufftoy, „Sie werden keine Nacht mehr hier ſchlafen, Unverſchämte!“
„Ich werde gehen, wenn Sie mich bezahlt haben⸗ und ich ſehne mich ſicherlich nicht nach dieſer Baracke eines unterhaltenen Frauenzimmers zurück!“ rief die Die⸗ nerin, die Thüre geräuſchvoll hinter ſich zuwerfend.
Madame Jouffroy war wüthend aufgeſtanden, doch ſie ſuchte ſich zn bewältigen, als ſie die Dienerin weg⸗ gehen ſah, und ſagte mit Bitterkeit zu ſich ſelbſt:
„Ach! ich war nicht an die Unverſchämtheiten der Dienſtboten gewöhnt! früher, zu Hauſe, zitterten ſie Alle vor mir. Ich bezahlte ſie aber auch auf Heller und Pfennig . . . Nun, was geſchehen iſt, iſt geſchehen.“
Madame Jouffroy unterdrückte einen Seufzer bei dem Gedanken an die glückliche Zeit, wo ſie, eine ver⸗ ſtändige, geachtete Wirthin, in ihrem von ihr ſo regel⸗ mäßig geordneten Hauſe unumſchränkt geherrſcht hatte, öffnete ſodann den Brief, den ſie empfangen, und las, wie folgt:
„Ihre Tochter iſt eine liederliche Perſon, eine Un⸗ dankbare, eine ſchändliche Straßenläuferin; doch man bethlpelt mich nicht ungeſtraft; Sie ſollen bald von mir hören. Mittlerweile gebe ich Ihnen vierundzwanzig Stun⸗ den, um die Wohnung zu räumen, welche, Gott ſei Dank! auf meinen Namen gemiethet iſt; gehen Sie nicht, ſo ieſe ich Sie durch Gerichtsdiener vor die Thüre werfen.“
Niedergeſchmettert durch dieſen Brief, las Madame Jouffroy denſelben zum zweiten Male, als aufs Neue die Klingel wiederholt ertönte und Aurelie in das Zim⸗ mer, wo ſie ihre Mutter erwartete, eintrat.


