Prudence zubringen, da Aurelie ſchlechterdings nicht dul⸗ dete, daß Jemand bei ihr wache. Doch in dem Mo⸗ mente, wo ihre Schweſter ſie verließ, verlangte ſie von Marianne ein Fläſchchen Eſſig, um, wie ſie ſagte, einige Tropfen davon einzuathmen, ſollte es ihr wieder ſchwach werden. Das Kölniſche Waſſer ſcheine ihr zu fad.“
„Die Unglückliche! ihr Entſchluß war ſchon gefaßt!“ rief der Vetter Ronuſſel.
„Marianne, dieſes vortreffliche Weſen!“ fuhr For⸗ tuné fort, „Marianne blieb die ganze Nacht auf einem Stuhle in der Hausflur, auf die die Thüre vom Zim⸗ mer ihrer Schweſter geht, und horchte auf das geringſte Geräuſch. Sie hörte nichts. Als es Morgen geworden war, bat ſie Aurelie inſtändig, ſie möge ihr erlauben, bei ihr einzutreten, und ſie fand ſie ſcheinbar ruhig, je⸗ doch ſehr bleich. Sie habe eine ziemlich gute Nacht ge⸗ habt, ſagte ſie, doch ſie fühle ſich noch ſchwach und wünſche weder ihr Bett zu verlaſſen, noch den Tag zu ſehen, wobei ſie eine große Luſt zu ſchlafen vorſchützte. Sie ſchien in der That den ganzen Tag zu ſchlummern; ihre Eltern öffneten mehrere Male ihre Thüre, und ſie glaubten, ſie ruhe. Gegen Abend beſtand indeſſen die Tante Prudence darauf, daß man den Arzt holen laſſe. Als Madame Jouffroy dieſen Beſuch Aurelie ankündigte, weigerte ſie ſich, ihn zu empfangen, und ſie bat, man möge ſie in Ruhe laſſen: ſie befinde ſich wohl, und um dies zu beweiſen und den Verdacht abzulenken; ließ ſie ſich eine Suppe bringen, von der ſie ein paar Löffel voll zu ſich nahm. Dieſe Nacht verlief wie die andere, — ſcheinbar ruhig. Heute Morgen trat Marianne bei Aurelie ein; dieſe umarmte ſie zärtlich und ſagte beinahe heiter zu ihr: „Schweſterchen, ich habe eine ſehr gute Nacht gehabt. Ich will noch ſchlafen, doch wecke mich gegen vier Uhr auf. Unterlaß es nicht!“ „Um vier Uhr alſo,“ fügte Fortuné mit einem herzzereißenden Ausdrucke bei, „um vier Uhr ging Marianne zu Aurelie. Dieſe hieß ſie nahe an


