Teil eines Werkes 
[12. Bändchen] (1854)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

16

muß? Was antworten, wenn er mich fragt, warum ich ihn ſeit ſeiner Kindheit verlaſſen habes Lügen? immer lügen? vor meinem Sohne! Unmöglich! ſeine Unſchuld und die Scham würden die Lüge auf meinen Lippen ſter⸗ ben machen! Und dann bin ich Mutter, wahrhaft Mut⸗ ter. Ich liebe ihn mehr noch um ſeinetwillen, als um meinetwillen, und ich fühle, es wäre ein Verbrechen, ihn von ſeinem Großvater zu trennen, der ihn in der Liebe für das Gerechte, für das Gute und für die Ar⸗ beit erzogen hat. Ich ſollte ihm meinen Sohn ſtreitig machen! Was bin ich denn? Ach! ich bin eine unglück⸗ liche, reumüthige Buhlerin, deren Bekehrung kaum drei Tage alt iſt! Und wenn Michel je meine Schmach erführe! Oh! ich ſchandere, indem ich mich ſeiner Worte der Verachtung gegen das, was ſtrafbar und unwürdig iſt, erinnere! Nein, nein, ich werde die Sühnung der Vergangenheit bis zum Ende erdulden!

In dieſe ſchmerzlichen Betrachtungen verſunken, n Frau von Morlac dem, was um ſie her vorging, remd. Als der Vetter Rouſſel Fortuné bleich, entſtellt, gelähmt auf einen Stuhl ſinken ſah, näherte er ſich ihm mit Beſorgniß, wie der Vater Laurenein, ſogleich nach dem Abgange von Michel.

Fortuné, mein Freund, was iſt geſchehen? fragte Joſeph den jungen Künſtler, der einer Art von Geiſtes⸗ derwirrung preisgegeben zu ſein ſchien.Ich bitte, antworte mir . .. Du ſprichſt von Aurelie . . Deine Bläſſe . . Deine Aufregung erſchrecken mich!

Fortuné aber, als er Frau von Morlac erblickte, die er in ſeiner Unruhe noch nicht bemerkt hatte, rief, während er mit einer faſt drohenden Miene auf ſie zu⸗ ging: Madame, Ihre Herrſchaft über Herrn von Ville⸗ taneuſe hat deſſen Heirathspläne mit Mademoiſelle