10 Sie 406 fragen, Madame ? . . . Oh! war ihre Stirne hoch?
„Nein, ſie war ziemlich niedrig.“
„Wie die der ſchönen griechiſchen Statuen, die mich Meiſter Fortuné im Muſeum bewundern läßt,“ ſagte Michel mit einem naiven kindlichen Stolze. Und aber⸗ mals nachdenkend:
„Hatte Mama eine gerade Naſe, oder eine Adler⸗ naſe?“
„Eine Adlernaſe,“ antwortete Catherine, deren Naſe gerade und leicht aufgeſtülpt war.
„Mein Gott! wie ſchön mußte Mama ſein! Ohl ich will, mit Hülfe deſſen, was Sie mir ſo eben mitge⸗ theilt haben, Madame, eine Skizze von ihrem Portrait machen. Ich werde es Ihnen zeigen, und Sie ſagen mit ſodann, ob es ein wenig ähnlich iſt, denn nicht wahr, ich werde Sie wiederſehen, Madame?“
„Ich glaube, ich hoffe es wenigſtens,“ erwiederte Catherine mit zitternder Stimme. Und dieſer Wunſch, dieſe Hoffnung richteten ſich an den Vater Laurenein, der ſich im Nebenzimmer aufhielt, und das Geſpräch anhörte.
„Ach!“ dachte die Courtiſane, „dieſes Bild einer ſo ſehr beklagten Mutter, das mein Sohn in ſeinem Geiſte heraufbeſchwören will, wird nicht einmal mein Bild ſein!“
Und lant ſprach ſie:
„Mein Kind, ich habe auf Ihre Fragen geantwortet, ich werde auf alle die antworten, die Sie noch an mich richten mögen. Erlauben Sie mir nun ebenfalls mit Ihnen, im Namen einer Perſon, die meine beſte Freun⸗ din war, von Ihrer Kindheit, von Ihren Arbeiten, kurz von Allem dem zu reden, was Ihre Mutter ſo ſehr in⸗ tereſſirt hätte.“
„Oh! mit Vergnügen, Madame,“ erwiederte Michel.


