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geſehen hat. Mir ſcheint, man mußte die Seelengüte in ihrem Geſichte leſen. Waren ihre Augen blau oder ſchwarz?“
„Sie waren blau.“
„Und ihre Haare?“
„Blond.“
„Iſt es . . .“ Doch ſchüchtern ſich unterbrechend, „Madame, ich befürchte, meine Fragen . . .“
„Rein, nein, fahren Sie fort, liebes Kind.“
„Ach! Madame, ich ſagte es noch am vergangenen Sonntag zu meinem Großvater, es wäre für mich ein Troſt, mir das Geſicht meiner Mutter vorſtellen zu kön⸗ nen; mir ſcheint, ich würde ſie ſo im Geiſte ſehen.“
„Dieſer Wunſch iſt ſo rührend, daß Sie ſich nicht fürchten dürfen, Fragen hierüber an mich zu machen.“
„Oh! ich danke Ihnen, Madame . ich weiß ſchon, daß Mama blond war und blaue Augen hatte. Und Ihr Wuchs, war ſie groß?“
„Nein, ſie war von mittlerer Geſtalt.“
„Und wie trug ſie gewöhnlich ihre Haare?“
Catherine befürchtete, bei Michel, wenn ſie fort⸗ fahre, ein mit dem ihrigen ſo ſehr übereinſtimmendes Signalement zu geben, Vermuthungen zu erwecken. Um ihn völlig irre zu leiten (ſie trug engliſche Locken), ant⸗ wortete ſie ihm auch in Betreff der Friſur ſeiner Mutter:
„Ihre Mutter trug gewöhnlich einen hohen Scheitel, und ſie hatte ſeltſamer Weiſe ſchwarze Augenbrauen, ob⸗ ſchon ihre Haare blond waren,“ fügte die Courtiſane bei, um jede Idee einer Aehnlichkeit mit ihr zu entfernen.
„Schwarze Augenbrauen, blonde Haare und blaue Augen! In der That, Madame, das iſt ſehr ſelten. Oh! noch einmal meinen Dank für dieſe Einzelnheiten; ſie vervollſtändigen beinahe das Portrait meiner Mutter . .. Nun ſcheint es mir, ich ſehe ſie mit ihren blonden Haa⸗ ren, die ſie in einem hohen Scheitel trug. Was könnte ich


