vermochte die Gleichgültigkeit bei ihrem Kinde nur durch nnerhörte Anſtrengung zu heucheln. „Ja,“ fügte ſie bei, „ich habe Ihre Mutter oft geſehen, und . . .“
Catherine vollendete nicht, ein Schluchzen erſtickte ihre Stimme.
„Mein Gott! Madame, Sie weinen!“ rief Michel. „Was haben Sie denn?“
Faſt in demſelben Momente hörte die Courtiſane den Vater Laurenein ziemlich laut im anſtoßenden Ca⸗ binet huſten; ſie verſtand die Warnung, die ihr ſo der alte Handwerker gab, überwand ihre Gemüthsbewegung, trocknete ihre Angen und ſagte zu Michel mit einer noch zitternden Stimme:
„Verzeihen Sie. Ich konnte mich der Thränen nicht erwehren, als ich mit Ihnen von derjenigen ſprach .. . welche meine beſte Freundin war.“
„Madame, ich bedaure . . .“
„Oh! bedauern Sie nichts, mein liebes Kind, für mich ſind dieſe Thränen ſüß, ſehr ſüß.“
„Ich glaube Ihnen, Madame, denn wenn ich an meine Mutter denke, iſt mir dieſer Gedanke, obgleich er mich traurig macht, doch auch ſüß. Die arme thenre Mama, ſie mußte mich ebenſo ſehr lieben, als ſie meinen Vater liebte, denn nicht wahr, ſie liebte ihn innig?“
„Ja,“ murmelte Catherine die Augen vor dem un⸗ ſchuldigen Blicke ihres Kindes niederſchlagend. „Ja, ſie liebte ihn . ſehr.“
„Wie glücklich mußten ſie mit einander ſein! Mein Vater, ich bin es feſt überzeugt, kam durch das Ge⸗ müth an Werth meinem Großvater gleich. Doch mir fällt ein, Madame, Sie mußten auch meinen Vater kennen ?“ .
„Ich ich . .. ſah ihn ſelten . . . er war den ganzen Tag von ſeinen Arbeiten in Anſpruch genommen.“
„Oh! von ihm kann ich mit meinem Großvater ſprechen. NRicht ſo iſt es bei meiner Mutter, die er nie


