Teil eines Werkes 
[12. Bändchen] (1854)
Entstehung
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ſie litt, dieſe Unglückliche, die ſich genöthigt ſah, ihre Geberde, ihre Stimme, ihren Ton, ihre Blicke zu be⸗ herrſchen, in dieſem Momente, wo ihr Herz ihrem Kinde entgegenſprang, in dieſem Momente, wo ſie ſtarb vor Luſt, ihm um den Hals zu fallen, es mit Thränen, mit Küſſen zu bedecken, und ihm aus der tiefſten Tiefe ihres Muttergefühles zu ſagen:

Mein Sohn! mein Sohn!

Doch beherrſcht durch eine furchtbare Nothwendigkeit, bezwang ſich die Courtiſane; ſie trat auf Michel zu, der erröthend und die Augen niederſchlagend ſie anzureden zögerte, und ſprach, indem ſie ſich anſtrengte, um das Be⸗ ben ihrer Stimme zu verbergen:

Mein Kind, Ihr Großvater hat Ihnen geſagt, ich habe Ihre Mutter genau gekannt?

Ja, Madame, und das macht mich ſehr glücklich! wahr, Sie hätten Ihre Mutter zärtlich ge⸗

iebt?

Oh! Madame, ich liebe ſie ſo ſehr, ohne ſie je ge⸗ ſehen zu haben.

Und ſie fehlt Ihnen wohl?

Mein Großvater iſt gegen mich gut! ſo gut, wie

Sie es ſich gar nicht vorſtellen können, Madame; Meiſter Fortuné behandelt mich wie ſeinen Sohn, und dennoch vergeht kein Tag, ohne daß mein Herz beim Gedanken an ſie beklommen iſt. Sodann, allmälig ſich ermuthigend, ſchlug er ſeine großen thränenfeuchten Augen zu der Courtiſane auf und ſagte mit einem treuherzigen Ent⸗ zücken, das ſeinen Zügen einen unausſprechlichen Reiz verlieh:Sie haben alſo meine Mutter gekannt, Ma⸗ dame? Sie haben ſie geſehen! Sie haben mit ihr ge⸗ ſprochen.

Ja, erwiederte Catherine, deren Herz brach; dieſe Frau, welche immer ſo falſch, ſo argliſtig, ſo ganz Herrin ihrer ſelbſt, ſo gefährlich, das zu ſcheinen, was ſie nicht war, wenn die Verſtellung ihrer Habgier diente,