199
ich jeden Tag der Gefahr ausgeſetzt bin, dem Mörder meines Vaters gegenüber zu ſtehen.“
„Gut!“ ſagte San Privato leiſe zu dem jungen Mädchen; „feſt! führen Sie's zu Ende.“
„Kurz,“ verſetzte Jeane, „ich erkläre Ihnen, Ma⸗ dame, daß wenn Herr Delmare den Fuß wieder über Ihre Schwelle ſetzt, ich Ihr Haus verlaſſe und nie mehr zu Ihnen zurückkehre.“
„Wie! es ſollte mir nicht erlaubt ſein, bei mir zu empfangen, wen ich will.“
„Sie mögen bei ſich empfangen, wen Sie wollen, Madame; aber es wird mir auch erlaubt ſein, Sie zu verlaſſen. Und dann würde der Bruch unſeres Verlöbniſſes mit Ihrem Sohne, würden die verletzen⸗ den Vorwürfe, mit denen Sie mich dieſen Morgen überhäuften, die gegenſeitigen Beſchuldigungen, die unaufhörlich zwiſchen uns auftauchten, auch unſer Zu⸗ ſammenleben unerträglich machen.“
„Sie ſtellen mir alſo eine Alternative, Made⸗ moiſelle?“
„Mit einem Worte, meine Tante,“ verſetzte San Privato, „nach den Motiven, die ſie ſo eben dar⸗ gelegt, und deren Bedeutung ich anerkenne, zieht es meine Couſine vor, da ihre verletzte Würde, die Ach⸗ tung, die ſie dem Andenken ihres Vaters ſchuldet, es nicht für paſſend und möglich hält, bei Ihnen zu bleiben, zu meiner Mutter zu gehen.“
„Das iſt mein Entſchluß, Madame!“ fügte Jeane in feſtem Tone hinzu, „wenn Sie darauf beſtehen.“
„Sie ſind ein elendes, miſerabeles Geſchöpf!“ rief Madame Dumirail außer ſich; „Sie ſind ein herzloſes Geſchöpf. Ich habe Sie wie meine Tochter


