Teil eines Werkes 
3. Band (1856)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

23

kaum ein paar Sekunden hatte Maurice um ſo mehr das Bewußtſein ſeiner lächerlichen Verlegenheit, als er, bei den durch den Anblick des Boudoirs und der Perſon von Antvinette hervorgebrachten erſten Blen⸗ dung, die Gegenwart von Herrn d'Otremont nicht bemerkt hatte. Die Furcht, ſich bei einem Fremden lächerlich zu machen, erinnerten Maurice an ſich ſelbſt; ſeine Eitelkeit, ſein Stolz empörten ſich. Er unter⸗ nahm eine gewaltige Anſtrengung gegen ſich ſelbſt, grüßte Frau von Hansfeld ſo linkiſch als möglich, ohne ſich von der Thürſchwelle zu rühren, und ſagte mit einer durch die Verwirrung zuſammenge⸗ ſchnürten Stimme:

„Frau Baronin, ich habe den Brief erhalten, den den Sie Ich ich

Doch das Wort erſtarb auf den Lippen von Maurice durch die Schüchternheit erſtickt; das Gefühl einer grauſamen Demüthigung brannte ſchmerzlich auf ſeinem Herzen; mit Schrecken nahm er wahr, wie ihm Thränen der Scham zu den Augen empor⸗ ſtiegen, und er ſagte ſich mit einer verzweiflungs⸗ vollen Bitterkeit:

„O meine Berge, meine armen Berge, warum habe ich euch verlaſſen?“

Plötzlich ſtand Frau von Hansfeld auf, näherte ſich Maurice, nahm ihn bei der Hand und ſagte zu ihm mit einem fanften Lächeln und einer reizenden Herzlichkeit, indem ſie ihn zu dem Divan führte, auf den ſie ihn neben ſich ſitzen ließ:

„Erlauben Sie, mein lieber Herr Maurice, Sie als alten Bekannten zu behandeln; denn, obſchon ich heute zum erſten Male das Vergnügen habe, Sie