182
„Ich wäre hierüber troſtlos, mein Freund, denn nichts iſt weiter von meinem Geiſte entfernt, als Sie zu verletzen! . . .“ erwiederte Charles Delmare; „klagen Sie nur meine Offenherzigkeit an . Sie haben ſo oft an dieſe appellirt . . . daß ich heute in voller Aufrichtigkeit mit Ihnen ſprechen zu können oder vielmehr zu müſſen glaubte.“
„Tauſend Dank für Ihren guten Willen, doch ich nehme nur die Rathſchläge an, wenn ich es für gut erachte, ſie zu verlangen . . .“
„Die Umſtände, unter denen Sie an die Auf⸗ richtigkeit meiner Freundſchaft appellirt haben, waren vielleicht minder ernſt, als die, um welche es ſich zu dieſer Stunde handelt ..
„Wahrhaftig,“ erwiederte ungeduldig Herr Du⸗ mirail, „es iſt unbegreiflich, daß man ſo hartnäckig den Leuten rathen will, obgleich ſie . . .“
„Dieſe Hartnäckigkeit, glauben Sie mir, hat ihre Quelle in einer ſo wahren Zuneigung, daß . . .“
„Mein Herr!“ rief Herr Dumirail, jedes Maß verlierend, „wiſſen Sie, daß Ihre Beharrlichkeit un⸗ erträglich wird . . .!“
Seit einigen Minuten beſonders nicht mehr an dem Wunſche von Herrn Dumirail, einen Bruch zwiſchen ihnen hervorzurufen, zweifelnd, hatte ſich Charles Delmare bemüht, ihn zu beſchwören; er gab ſich den Anſchein, als bemerkte er die wachſende Trockenheit und Bitterkeit der Worte von Herrn Dumirail nicht, unternahm einen letzten Verſuch und ſagte: 3
WVir ſind zu alte Freunde, mein lieber Dumi⸗ rail, als daß mich eine Lebhaftigkeit von Ihrer Seite


