166
mich, allerdings mit Unrecht, ich weiß es! Iſt es möglich, vernünftiger Weiſe zuzugeben, unſere Exiſtenz könne ſo, von einem Tage auf den andern verwan⸗ delt, über den Haufen geworfen werden, weil unſer Sohn, einer Laune oder tollen Eingebungen folgend, ſeine Laufbahn ändern möchte, . auf die Gefahr, ſein Glück, ſeine Zukunft zu compromittiren. Ahl mein Freund, ſchon bei dieſem Gedanken allein er⸗ greifen mich die ſchwärzeſten Ahnungen .. .“
„Ich hielt Deinen Charakter für feſter, Julie...“
„Mein Freund, ich gebe im Gegentheile Zeug⸗ niß von einiger Charakterfeſtigkeit, indem ich mich bemühe, nicht von dem Wege abzugehen, den wir ſeit zwanzig Jahren für das Glück unſeres Sohnes und für das unſere verfolgen.“
„Woraus folgt, . . . daß ich ein Mann von ſchwachem Charakter bin!“ ſagte Herr Dumirail mit einem Ausdrucke von Heftigkeit und Bitterkeit, der, bis dahin kaum bewältigt, immer mehr zunehmen ſollte; „und ich verlaſſe alſo den guten Weg, auf dem wir bis jetzt gegangen ſind und ſchlage wiſſent⸗ lich einen ſchlechten ein.“
„Mein Freund . . ich beſchwöre Dich . . .“
„Dieſe Vorwürfe der Schwäche und der Unklug⸗ heit, in welcher Hinſicht verdiene ich ſie, wenn's beliebt?“
„Ich wiederhole, mein Freund, dieſe Vorwürfe, ich mache ſie Dir nicht . . .“
„Alſo, weil ich es als eine heilige Pflicht be⸗ trachten würde, die Wahl meines Sohnes zu reſpec⸗ tiren, wollte er eine neue Laufbahn ergreifen, bin ich ein ſchwacher Mann! Ich bin alſo ein unkluger,


