Teil eines Werkes 
2. Band (1856)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

4¹

Prairien, die ſenkrecht abgeſchnitten war durch die zwölf bis fünfzehn Fuß hohe Kalkmauer, deren Kamm eine Art von ſehr ſchmalem Karnieß bot. Anfangs horizontal, lief es ſodann gegen den Eingang der Grotte hinab und bot ſo auf der abſchüſſigen Flanke des Berges eine natürliche Treppe, deren Stufen die Unebenheiten des Felſens bildeten.

Dies war der Pfad, den mit leichtem und feſtem Fuße Maurice betrat, nachdem er ſeinem Vetter ge⸗ ſagt hatte, er möge ihm folgen, — ein ſehr gefähr⸗ licher Pfad für Diejenigen, welche ſich des Schwindels nicht erwehren können. San Privato gehörte zu dieſen; als ſich ſein Blick auf das ſchmale Karnieß ſenkte, blieb er auch plötzlich ſtehen; ein kalter Schweiß überſtrömte ſeine Stirne, es wurde ihm ſchwach ums Herz, und in dem Augenblicke, wo er, von der Angſt beſiegt, umkehren wollte, hörte er hinter ſich die Stimme von Jeane ſagen:

„Bleiben Sie nicht ſtehen, um mich voruͤber zu laſſen, mein Vetter; ich habe immer die Gewohnheit, im Gebirge zuletzt zu gehen.“

So handelnd, gehorchte Jeane einem Gefühle ſchamhaften Wohlanſtands, das faſt alle Frauen thei⸗ len, welche Aufſteigungen verſuchen. Die Alternative, in die ſich San Privato verſetzt fand, war grauſam. Er mußte Gefahr laufen, beim kleinſten falſchen Tritte in den Abgrund geſchleudert zu werden . oder eine ſo große Feigheit offenbaren, wenn er es nicht wagte, zu vollbringen, was ein Mädchen ohne das geringſte Zögern unternahm.

Kalt, ruhig, entſchieden, immer Herr über ſich, wie man ihn kennt, hätte der junge Diplomat nach