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„Corot iſt allerdings ein großer Maler voll Ein⸗ bildungskraft und Poeſie; ſo beurtheilte ich ihn we⸗ nigſtens in meiner demüthigen Unwiſſenheit,“ fügte San Privato bei. „Ich wünſche mir Glück, mein Urtheil durch eine ſo erleuchtete Perſon, wie es Herr Delmare in Dingen der Kunſt iſt, beſtätigt zu ſehen; und dann, da wir von Landſchaftsmalern reden; kürzlich durch München reiſend, habe ich bewunderungswür⸗ dige Bilder bemerkt . . . immer nach meinem ober⸗ flächlichen Urtheile und meiner demüthigen Unwiſſen⸗ heit . . . bewunderungswürdige Bilder, füge ich bei; ſie ſtellten Anſichten von Tyrol faſt im Fluge erfaßt vor. Es waren Gebirgsketten, Horizonte von einer Ausdehnung von fünfzehn Meilen begränzend; und ich geſtehe, durch das Colorit, die Harmonie, den Styl und die Poeſie ſeiner Compoſitionen kam der Künſtler, wenn er ihn nicht übertraf, dem berühmten Corot gleich, — nach der Schätzung von Kennern; ſie erklärten ihn auch für den erſten deutſchen Land⸗ ſchaftsmaler unſerer Zeit, und für den glücklichen Nebenbuhler der größten Künſtler aus dieſem Fache in den alten Schulen.“
„Das heißt wahrlich viel geſagt,“ erwiederte Charles Delmare, den, ohne daß er ſich das Motiv dieſes Eindruckes erklären konnte, ſeit dem Anfange
des Geſpräches mit San Privato ein leichtes Gefühl!
von Mißtrauen ergriffen hatte, und er fügte beinahe
maſchinenmäßig bei: „Mein Herr, welches iſt der
Name dieſes berühmten“ deutſchen Künſtlers?“
„Er heißt Wagner,“ antwortete einfach San Pri⸗ vato, indem er Charles Delmare ohne allen Anſchein von Abſichtlichkeit, aber gerade ins Geſicht anſchaute.


