Teil eines Werkes 
1. Band (1856)
Entstehung
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Und Charles Delmare ſah das Geſchick ſeines Kindes fremden Händen anvertraut, allerdings wür⸗ digen, reinen, die aber eines Tags ſich irren und fehlen könnten, ohne daß er das Recht hätte, ſich zu beklagen oder ins Mittel zu treten.

War er von der nahen Heirath von Jeane unter⸗ richtet, ſo verdankte er einzig und allein dem wohl⸗ wollenden Vertrauen ſeiner Freunde die Kenntniß dieſer unter den gegenwärtigen Umſtänden höchſt wichtigen Thatſache. Dieſe Thatſache allein konnte Charles vollkommen über das beruhigen, was er von den Folgen der erſten Zuſammenkunft von San Privato und Jeane befürchtete. Indeſſen, nach der plötzlichen Offenbarung der Heirathspläne, welche Anfangs ſeine Befürchtungen zerſtreuten, beobachtete Charles Delmare, bald an die unerbittliche Logik ſeiner Gefühle denkend, noch aufmerkſamer die Phy⸗ ſiognomie ſeiner Tochter; ſie ſchien ihm lächelnd, ver⸗ trauensvoll, heiter; nichts verrieth auf ihren bezau⸗ bernden Zügen den Schatten eines Hintergedankens. Indeſſen, — nur ein Vater konnte eine ſolche Furcht faſſen, — indeſſen ſchien es ihm durchaus nicht be⸗ greiflich, daß Jeane ſich ſo bald dem Einfluſſe ihrer Eindrücke am vorhergehenden Tage entzogen haben ſollte, Eindrücke zu lebhaft, zu verſchiedenartig, um durchaus vergeſſen oder beherrſcht zu werden.

Eine unbeſiegbare Ahnung ſagte Charles Del⸗ mare, die Ruhe herrſche nur auf der Oberfläche der Seele ſeiner Tochter . . . nicht als verbärge ſie ihre Gedanken; denn dieſe Ruhe mußte ſie im Augenblicke wirklich fühlen, beſonders im Vergleiche mit ihrer Unruhe, mit ihrer Nervenaufregung am vorhergehen⸗

Sue, die Familienſöhne. I. 12