34
von Herrn Dumirail annahm, verbarg ich ihm meine Vergangenheit nicht. Einſt Beſitzer eines beträcht⸗ lichen Vermögens, hatte ich es verſchwendet; es blie⸗ ben mir aber wenigſtens die Mittel, um unabhängig zu leben, und mit dem Alter Philoſoph geworden, zogen mich die pittoresken Schönheiten des Jura nach dieſer Gegend, wo ich in vollkommener Einſamkeit leben wollte. Meine einzige Bedingung bei Erfüllung der Wünſche von Herrn Dumirail wäre die Unent⸗ geldlichkeit meiner Lectionen. Er ſchien erſtaunt über die Umſchläge meines ſtürmiſchen Geſchickes; doch ſein Vertrauen zu mir wurde in keiner Hinſicht hie⸗ durch geſtört. Ein enges, inniges Verhältniß grün⸗ dete ſich allmälig zwiſchen uns; ich wurde der Freund des Hauſes; ich gab jeden Tag meiner Tochter, ſo⸗ wie ihrem Vetter Maurice, ihre Lection im Malen. Ich vermochte ſo die anbetungswürdigen Eigenſchaf⸗ ten von Jeane zu ſchätzen, ihren redlichen, ſtolzen, entſchloſſenen Charakter, ihre glühende, nervöſe, lei⸗ denſchaftliche Organiſation, von der ſie noch nicht das Bewußtſein hatte, und die nur das Auge eines Vaters unter der engeliſchen Reinheit und Unſchuld
ſeines Kindes zu errathen vermochte. Ich konnte
endlich mit meinen Rathſchlägen die heilſamen Grund⸗ ſätze unterſtützen, mit denen Jeane von Madame
Dumirail genährt wurde, — einer Frau von ſelte⸗
nem Verſtande und vortrefflichem Herzen, der wür⸗ digen Gefährtin von Herrn Dumirail, einem der beſter Geiſter, die ich kenne . . . Gott ſei gelobt! Jeane, ich wiederhole es Dir, konnte nicht in reinere, ehrenwerthere Hände kommen . . .“
Alsdann, nach einem Augenblicke des Stillſchwei⸗
3


