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„Madame, Sie erlauben, daß ich bieſen Brief öffne?“
„Wir ſind nicht mehr dabei, daß wir Unſtände unter uns machen, mein lieber Herr Henri; leſen Sie Ihren Brief.“ Und ſich an Madame Richardet wendend: „Geſtehen Sie, daß Sie dieſe Heirath kaum erwarte⸗ ten wie, meine Liebe?“
„Und Sie Sie erwarteten dieſe Heirath, meine Theure!“ erwiederte nicht ohne Bitterkeit Madame Ri⸗ chardet.
Auf dieſe Erwiederung blieb die Mutter von Au⸗ relie ſtumm und verlegen, indeß, nachdem er den Brief von Catherine geleſen, ohne eine Miene zu verändern, Henri von Villetanenſe, den ſeine Braut nicht mit den Augen verließ, zum Marquis ſagte:
„Mein lieber Oheim, wir vergeſſen Lord Mulgrave, dem wir verſprachen, ihn heute Abend dem Prin⸗ zen Maximilian vorzuſtellen; der Lord erwartet uns in ſeinem Wagen, da wir ihm vor der Thüre von Ma⸗ dame Jouffroy Rendez⸗vous gegeben haben. Er ſchreibt mir dieſes Billet mit Bleiſtift, damit wir uns unſeres Verſprechens erinnern mögen.“
„Was für ein Teufeislied iſt das? Henri macht die⸗ ſen guten Leuten ein Mährchen,“ ſagte der Greis zu ſich ſelbſt; doch er erwiederte laut:
„Mein Freund, man muß den Muth haben, ſich der Erfüllung ſeines Verſprechens zu opfern; im gegenwär⸗ tigen Angenblicke, wo es ſich darum handelt, dieſe Da⸗ men zu verlaſſen, wird dieſer Muth Heldenmuth.“
„Dieſe Damen werden mir erlauben, daß ich mich morgen für den zu früh unterbrochenen Abend entſchä⸗ dige,“ ſprach Henri von Villetanenſe ſich verbeugend.
„Doch mir fällt ein,“ rief der Greis, „morgen iſt Montag; es findet Ball in den Tuilerien ſtatt, die Prin⸗ zen werden nicht in die Oper gehen; ich will um ihre
Loge bitten laſſen, die ſie mir oft anzubieten die Gnade


