Teil eines Werkes 
[1.-11. Bändchen] (1854)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

246

Sie wollen meine Bitte gütigſt genehmigen, fühlte ich auch die Unruhe, die Verlegenheit, die ein unvorherge⸗ ſehenes und unverdientes Glück verurſacht.“

„Herr Henri,“ verſetzte Aurelie lächelnd vor Glück⸗ ſeligkeit und die Augen niederſchlagend, „Sie ſind wenig⸗ ſtens nie in Verlegenheit, mir die liebenswürdigſten Schmeicheleien zu ſagen.“

„Schmeicheleien? mein Gott! welch ein häßliches Wort! Meine Damen, man müßte in der That einen andern Ausdruck erfinden, wenn es ſich darum handelt, einen zugleich lobenden und aufrichtigen Gedanken aus⸗ zuſprechen. Den Glanz des Diamants bekräftigen heißt alſo ihm ſchmeicheln, die Friſche, den ſüßen Wohlgeruch einer Roſe bekräftigen, heißt alſo ihr ſchmeicheln? Eil Mademvoiſelle, wenn Sie ſich bei Hofe vorſtellen laſſen, werden alſo die arme Marquiſe von Luſſan, die unglück⸗ liche Herzogin von Merinville, welche zu dieſer Stunde für die Königinnen der Schönheit gelten, Schmeichlerin⸗ nen ſein, weil ſie ſich bei Ihrem Anblicke, Mademoiſelle Aurelie, entthront bekennen werden?“

„Wahrhaftig, Herr Graf,“ ſprach Madame Jouffroy in einem unglaublichen und dennoch ſo aufrichtigen Eut⸗ zücken mütterlicher Eitelkeit, daß ihr die Thränen in die Augen traten, „Sie denken, meine Tochter werde dieſe ſchönen Damen entthronen, niederſchmettern? Oh! welch ein herrlicher Tag für mich!“

Dieſer Ausruf erregte die Aufmerkſamkeit des Mar⸗ quis von Villetaneuſe, der ſich beim Kamine mit Herrn Jouffroy unterhielt.

„Ich wette!“ rief der Marquis, während er ſich näherte, „ich wette, meine Damen, daß mein ſchlimmer Burſche von einem Neffen Ihnen eine Tollheit ſagte. Was wollen ſie, dieſe Verliebten! Doch ſchonen Sie ihn nicht; ich trete Ihnen alle meine Rechte über ihn abz hetzen Sie ihn tüchtig!“

„Ihn hetzen! ah! ja wohl, nach dem, was er ſo