16 und verdrießlichen Ausdrucks, mochte der Mann fünf⸗ undzwanzig Jahre alt ſein. Seine Gefährtin, obgleich älter als er (ſie hatte, wie man zu ſagen pflegt, ihre dreißig auf dem Rücken), ſeine Gefährtin war noch merkwürdig hübſch und von einer jugendlichen Friſche; die Locken ihrer langen, aſchblonden Haare traten weit über den ſchmalen Stülp ihres Hutes vor, der mit einem langen, halb ihre Züge verbergenden Schleier verſehen war; ihre großen Augen, mit denen ſie nach der Gewohnheit kurzſichtiger Perſonen leicht blinzelte, waren lebhaft blau; voll Feinheit und Liebreiz mußte ihre Phyſiognomie beim erſten Anblicke verführen; be⸗ trachtete man ſie aber aufmerkſamer, ſo offenbarte eine zwiſchen ihren Augenbraunen ausgegrabene Falte und die enge Spalte ihrer ſchmalen, kaum angedeuteten Lippen eine unüberwindliche Zähigkeit des Entſchluſſes und eine tieſe Verſchmitztheit. Nur war für Jeden, der nicht über den Anſchein hinaus zu dringen ſuchte, das Geſammtweſen der noch jungen Frau, die ſich überdies durch einen vollendeten Wuchs auszeichnete, höchſt anziehend.
Dieſe zwei Perſonen blieben erſtaunt auf der Schwelle des dunkeln, räucherigen Arbeitsſaales ſtehen, in welchem ſie einen Greis mit langem, weißem Barte und einen jungen Mann in einer Blouſe, Beide an einem plumpen Werktiſche beſchäftigt, ſahen; ſie glaub⸗ ten ſich eher in der Werkſtatt eines Keßlers, als in dem Atelier eines Goldſchmieds, denn ſie bemerkten noch nicht die in einer mit Glasſcheiben verſehenen Etageère ausgeſtellten, allerdings ſehr wenig in's Auge fallenden Kunſtgegenſtände. Der junge Mann ſagte auch zu Fortuns, den er für einen Handwerker hielt:
„Verzeihen Sie, mein Lieber, wir haben uns ohne Zweifel geirrt; wir ſuchen das Magazin von Herrn Fortuné Sauval, dem Goldſchmiede.“


