6
relief forteiſelirte, vergaß die Erfriſchung, zu der er ſeine Gefährten eingeladen hatte,
„Herr Fortuns,“ ſagte der alte Handwerker zu ihm, „Sie eſſen alſo nicht auch einen Biſſen?“
„Sogleich, Vater Lanrencin,“ erwiederte heiter der Goldſchmied; „ich weiß nicht, mit welchem teufliſchen Magnet dieſes Basrelief begabt iſt .. ich kann mich nicht davon trennen.“
„Sollte es Ihnen an Appetit fehlen,“ verſetzte lächelnd der Greis, „er müßte Ihnen kommen, wenn Sie ſehen würden, wie der kleine Michel in ſein Brod und in die Aepfel beißt; er müßte Ihnen Luſt ma⸗ chen, wie mir. Hören Sie, wie er knarpelt! Ah! er hat ſeine fünfzehnjährigen Zähne, und ich, ich bin auf das Eintnnken angewieſen.“
„Ei nun! Großvater,“ ſagte freundlich der Lehr⸗ ling, „wenn Ihr alt ſeid, was beweiſt dies? daß Ihr ſeit langer Zeit das ſeid, was es Beſtes auf der Welt gibt . nichts Anderes.“
„Wahrhaftig, mein blondes Bürſchchen?“ ſprach liebevoll der Greis, „Du glanbſt, es ſei nichts, alt zu werden, Du? Ich möchte Dich wohl in meinem Alter
ehen!“ „Oh! und ich, Großvater! denn wenn Ihr mich ſehr alt ſehen würdet, ſo würde ich Euch auch ſehen! Welch ein Glück wäre das für uns Beide!“
„Ah! mein armes Kind, wenn Du mein Alter erreicht haſt, werde ich längſt in der Erde liegen . . Doch ſprechen wir nicht hievvn . Das iſt traurig,“ fügte der Greis bei.
Und er ſchüttelte ſchwermüthig den Kopf.
Richel wollte in dieſem Augenblicke mit allen Zäh⸗ nen in einen Apfel beißen; als er aber ſeinen Groß⸗ vater auf ſein nahe bevorſtehendes Ende anſpielen hörte, da ſtand der Knabe plötzlich auf und wandte ſich nach
dem dunklen Hintergrunde der Werkſtätte, um mit der


