2 den verſchiedenen Zweigen ſeines Gewerbes äußerſt er⸗
fahrenen Handwerker, genannt der Vater Laurencin,
beibehalten. Der Greis, ein Sohn von einem der beſten
Arbeiter von Germain, welcher zur Zahl der berühm⸗
teſten Goldſchmiede des vorigen Jahrhunderts gehörte,
beſaß treffliche neberlieferungen, die jedoch völlig un⸗
benützt geblieben während der langen Jahre, die er im
Hauſe ſeines erſten Patrons, des Herrn Sauval, zuge⸗
bracht, denn dieſer war ein getreuer Anhänger vom ſo⸗
genannten Style des Kaiſerreichs geweſen, — dem plumpſten, flachſten, formloſeſten, abſcheulichſten von allen Stylen, wenn man überhaupt mit dem Namen Styl ein ſolches namenloſes Ding beehren darf.
Der Vater Laurencin und ſein Enkel Michel, ein fünfzehnjähriger Lehrling, unterſtützten Fortuné allein bei ſeinen Arbeiten. ie waren vorzüglichere Herzen vereinigt; nie lebten drei für ihre Kunſt leidenſchaftlich begeiſterte Intelligenzen in einer ſo engen und zarten Gemeinſchaft der Arbeiten; für ſie beſtand keine von jenen Entfernungen, welche in der Regel die Patrone, die Lehrlinge und die Arbeiter trennenz alle Drei waren nur darauf bedacht, mit allen ihren Mitteln, nach ihrer Fähigkeit, zur Vollendung des gemeinſchaftlichen Werkes beizutragen. Väterlich gegen Michel, kindlich gegen den alten Arbeiter, hatte Fortuns Sauval, der ungefähr fünf⸗ undzwanzig Jahre alt, die glücklichſte Zeit ſeines Le⸗ bens bei ſeinen zwei Gefährten zugebracht. Er ertheilte dem mit großen natürlichen Anlagen begabten Lehrling Unterricht im Zeichnen und in der Sculptur und zeigte für den liebenswürdigen Knaben die zärtliche Zuneigung, welche die Künſtler der Renaiſſance für ihre Lieblings⸗
üler an den Tag legten.
Unſer Goldſchmied lebte zurückgezogen im Quar⸗ tier de la Madeleine im Hintergrunde von einem jener finſteren Höfe, einem wahren Labyrinthe von Gäßchen
und Durchgängen, damals bekannt unter dem Namen


