Teil eines Werkes 
Fernand Duplessis oder Denkwürdigkeiten eines Ehemanns : 10.-13. Bändchen (1851) Fernand Duplessis ou Mémoires d'un mari
Entstehung
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beſten Kräften bei Frau von Meéligny; ich fand ſie allerdings ziemlich einfältig, doch ſie verſtand ſich we⸗ nigſtens auf das Geplauder der Welt, und dann war ſie ſo wunderbar hübſch, daß ich ein glühendes Ver⸗ langen, ihr zu gefallen, hegte, und ich gab mir alle Mühe, daß es mir gelinge.

Herr von Méligny ſchwatzte mit der Freundin ſeiner Frau und that unſerem Geſpräche nicht den ge⸗ ringſten Zwang an. Plötzlich ſagte er lebhaſt:

„Ah! der Oberſt iſt in der Loge von Mademoiſelle Chonchon, wie die jungen Leute jene Schöne mit den ſüßen Blicken nennen;“ und er bezeichnete uns eine Loge vom zweiten Range, welche beinahe der von Frau von Meligny gegenüber lag.

Ich ſah Vareuil bei einem Mädchen, das damals ſehr in der Mode und wirklich reizend war; eine Frau begleitete das Mädchen. Ohne Zweifel tief gekränkt und, wie ich es vermuthet, die Folgen meiner Vor⸗ ſtellung bei Frau von Meéligny befürchtend, ahnte Vareuil einen nahe bevorſtehenden Bruch; da er aber nicht, wie man zu ſagen pflegt, die dumme Rolle bei dieſem Bruche haben und ſich zuvorkommen laſſen wollte, ſo compromittirte er Mademoiſelle Chonchon, oder er compromittirte vielmehr ſich in den Augen Aller, in⸗ dem er ihr gefliſſentlich in's Ohr ſprach und laut mit ihr lachte.

Gewiſſe Verbindungen werden theils durch den Scharfſinn der Leute der Geſellſchaft, theils weil man ſo wenig bemüht iſt, ſie in das Dunkel des Geheim⸗ niſſes zu hüllen, bald weltkundig. So war die Ver⸗ bindung von Vareuil und Frau von Méligny der Mehrzahl der Miether der Logen der Italieniſchen Oper bekannt, welche beinahe insgeſammt der auser⸗ wählten Geſellſchaft angehörten; es war daher für ſie eine Art von Ereigniß, als ſie ſahen, wie der Oberſt plötzlich ſich emſig um Mademviſelle Chonchon bewarb;