Teil eines Werkes 
Fernand Duplessis oder Denkwürdigkeiten eines Ehemanns : 10.-13. Bändchen (1851) Fernand Duplessis ou Mémoires d'un mari
Entstehung
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Ich bin abgeſtumpft, ich bin miſanthrop, gut; nicht Jeder, der will, iſt abgeſtumpft, miſanthrop!

Bieſe Miſanthropie währte mehrere Monate; ſie waren, wenn nicht die glücklichſte, doch wenigſtens die ruhigſte Zeit meines Lebens; ich war ſo ſtolz auf das, was ich meine Seelenſtärke und meine Befreiung von allen Irrthümern nannte; ich war in dieſer Hin⸗ ſicht ſo ſehr meiner ſelbſt ſicher, daß mir eines Tages folgender ſeltſame Gedanke kam;

Ich will mir das Vergnügen machen, dieſe glän⸗ zende Welt, in der ich einſt lebte, und deren Götzen⸗ diener ich war, zu verſpotten, ſagte ich zu mir ſelbſt; es iſt nicht genug für mich, daß ich ſie aus der Ferne verachte, ich will ſie in's Geſicht und in ihrem glänzendſten Mittelpunkte verachten.

Es iſt heute Abend Vorſtellung in der Italieni⸗ ſchen Oper, ich werde dahin gehen, nicht wie früher in die Loge einer Geliebten, ſondern in's Parterre, wie der Demüthigſte der Sterblichen; .. ich werde mich in's Theater begeben, nicht wie einſt in meinem Wagen, mit ausgezeichneter Eleganz gekleidet; ich werde zu Fuß gehen, in einem groben Ueberrock, meinen Regenſchirm unter dem Arme; und hin ich einmal in dieſem Tempel der Mode, mit welcher ſtolzen Ver⸗ meſſung werde ich der Mode, einer albernen Gottheit, deren einfältiger Sklave ich einſt war, in's Geſicht lachen! Mit welcher Selbſtbefriedigung, mit welchem Vertrauen zu meiner Weisheit werde ich in meine theure Einſamkeit zurückkehren, nach dieſem wie eine Herausforderung lächerlichen Eitelkeiten zugeworfenen Fahrewohl!

Nach Hauſe zurückgekehrt, will ich ſodann meine philoſophiſchen Eindrücke während dieſes Abends nie⸗ derſchreiben; das wird mir eine vortreffliche Gelegen⸗

heit ſein, mein ſeit dem Tode der armen Albine ge⸗

ſchloſſenes Tagebuch wieder zu eroͤffnen. Als dieſer wunderliche Entſchluß gefaßt war, er⸗