Teil eines Werkes 
Fernand Duplessis oder Denkwürdigkeiten eines Ehemanns : 10.-13. Bändchen (1851) Fernand Duplessis ou Mémoires d'un mari
Entstehung
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ſchen Seite Deines Charakters haſt Du nie Herzens⸗ verbindungen geſucht?

Bei meiner Treue! nein, antwortete Jean.

Ah! mein armer Jean, Du biſt vielleicht, nach dem Sprüchworte, nur zuruͤckgewichen, um beſſer zu ſpringen. Sage mir, wenn Du an einen ſchönen Mor⸗ gen närriſch verliebt erwachen würdeſt?

Geh' doch!

Hm! hm! Du ſchwörſt zu hoch!

Im Ganzen, mein lieber Fernand, wenn Dir durchaus daran gelegen iſt, daß ich mich eines Tags verliebe .

Wie? es iſt mir gar nicht daran gelegen . im Gegentheil!

Er häufte ſo eine ungeſchicklichkeit auf die andere und bereitete ſich ſelbſt rächende Qualen. Neben die⸗ ſen erwachte lebhafter und jeden Tag wahnſinniger ſeine alte Liebe für Madame Rahmond, der die Jahre bei⸗ nahe Nichts von ihrem blendenden Glanze genommen hatten. Es war immer noch dieſes anbetungswürdige Geſicht mit den aſchblonden Haaren, dieſes ſo wohl⸗ wollende und feine Lächeln, das Perlzähne entblößt ließ, dieſe Phyſiognomie ſo rein wie die Tugend, ſo bezaubernd wie die Grazie.

Fernand, der nun Muße hatte, ſie zu jeder Stunde zu ſehen, berauſchte ſich lange und uzſelig in ihrem engeliſchen Worte und in ihren gedankenvollen Blicken. Selbſt bei Nacht war er von ihr nur durch eine Mauer getrennt, in deren Innerem man einſt einen, durch eine bewegliche Füllung maskirten, Gang ange⸗ bracht hatte. O Schwindel! in einer Nacht wagte es ſeine verwegene Hand, ſachte die Füllung in ihren Falze zurückzuſchieben, und ohné ein unvorhergeſehenes Ge⸗ räuſch, das ſich bei der Thüre hörbar machte, wäre die Mutter von Jean ſchändlich entehrt geweſen.

Am andern Morgen bei Tagesanbruch verließ ſie das Schloß Riballiére mit ihrem Sohne, dem ſie, aus