Teil eines Werkes 
Fernand Duplessis oder Denkwürdigkeiten eines Ehemanns : 10.-13. Bändchen (1851) Fernand Duplessis ou Mémoires d'un mari
Entstehung
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Keiner von ihnen hatte noch die blühenden Inſeln der Liebe betreten; ſelbſt Fernand war, trotz des Blin⸗ zelns mit den Augen und der ſcherzhaften Reden ſeiner Großmutter, in dieſem Kapitel noch völlig unwiſſend. An Ausgangstagen ſeinen Couſinen den Arm anbieten, dafür beſorgt ſein, daß ihr Teller mit Leckerbiſſen be⸗ deckt war, hierauf hatten ſich ſeine Thaten beſchränkt. Doch das ſchöne, ernſte Antlitz einer Frau erweckte plötzlich in ihm die erſten Fieber des Herzens.

Jean Rahmond hatte oft von ſeiner Mutter mit Fernand Dupleſſis geſprochen; eines Tags führte er ihn zu ihr, und dieſer Tag entſchied über das ewige Unglück von Fernand. Statt einer ehrwürdigen Haus⸗ mutter, die er zu finden erwartete, ſah er eine Frau von ungefähr dreißig Jahren, von mittlerem Wuchſe, blond, mit azurblauen Augen und aſchfarbigen Brauen. Unter einem ſo verführeriſchen Aeußeren, beſaß Madame Ray⸗ mond eine ungewöhnliche Gemüthsſtärke; ſie war die Witwe eines Conventsmitgliedes, der in Folge der Verſchwörung von Arena auf dem Blutgerüſte geſtor⸗ ben; ſie hatte die republikaniſche Geſinnung ihres Man⸗ nes geerbt, und ihre Geſellſchaft beſtand beinahe aus⸗ ſchließlich aus Leuten vom Volke, Arbeitern des Fau⸗ bourg Saint⸗Antoine und ehemaligen Soldaten, welche einſt die Verbündeten von Koblenz angegriffen. Fer⸗ nand Dupleſſis war hierüber erſtaunt, und die Röthe ſtieg ihm zur Stirne, als er halblaut das Wort Musca⸗ din unter den Menſchen mit Mützen, welche auf Ma⸗ dame Raymond im Vorzimmer warteten, kreiſen hörte.

Allerdings ſtellte zu jener Zeit, und obgleich er noch ſehr jung war, Fernand einen wahren Muscadin vor; er trug einen barbenblauen Frack mit vergoldeten Knöpfen, anliegende Beinkleider von leingrauem Tri⸗ cot, auf der Fußbiege gefältelte Huſarenſtiefel, eine geſtärkte weiße Halsbinde von Moufſeline, deren lange Enden Haſenohren glichen, und über einer Weſte von vrangegelbem Kaſchemir mit kleinen Palmen hingen