Teil eines Werkes 
Fernand Duplessis oder Denkwürdigkeiten eines Ehemanns : 14.-17. Bändchen (1851) Fernand Duplessis ou Mémoires d'un mari
Entstehung
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in dem ernſten Augenblicke, wo die Frauen doppelt empfinden, weil ſie für ſich und das Geſchöpf leben, das ſie in ihrem Schooße tragen ... Der Schlag, der die Mutter triffttrifft auch das Kind.

In meiner Verzweiflung wagte ich es nicht mehr,

die Augen zu Claudine zu erheben. Ich hörte ihr ge⸗ waltſames, gepreßtes Athmen; dann murmelte zuwei⸗ len ihre geſchwächte Stimme die unſeligen Worte, den Ausdruck der ſiren Idee, welche ihren durch den Schrecken geſtörten Geiſt belagerte:

Blut! überall Blut im Hauſe!

Mein Gott! einen Augenblick vorher beſchleunigte

ich mit aller Ungeduld meiner beängſtigten Zärtlich⸗ keit den Moment, wo Claudine, aus ihrer Ohnmacht erwachend, mich erkennen würde ... Doch von der Ur⸗ ſache ihres Anfalls unterrichtet, bebte ich bei dem Ge⸗ danken an den erſten Blick, an das erſte Wort, das

meine Frau, wieder zu ſich gekommen, an mich richten

würde.

Ja, das iſt gräßlich, das iſt erſchrecklich! In die⸗

ſem verzweifelten Augenblicke hätte ich, glaube ich, ge⸗ wünſcht, es würde ſich auf ewig ein Schleier über dem Geiſte dieſer Unglücklichen ausbreiten, damit ſie mich nie erkenne . . Ich ſchauerte, wenn ich nur an ihr Erwachen dachte ... Und dann welches Leben für ſie? Fortan ihre Tage in der Zurückgezogenheit einem Mörder gegenüber zubringen! Welche blutige Geſpen⸗ ſter würden nicht bei Tag und Nacht ihre erſchrecklich

betroffene Phantaſie heraufbeſchwören! Wehe mir!!

dieſe Bangigkeiten, dieſe Schrecken zu bekämpfen würde ich ohnmächtig ſein! Kaum war es mir gelungen, durch Vorſicht, Sorgfalt, vernünftige Erörterung einige von ihren kindiſchen Schrecken zu beſchwichtigen! . .. Wie konnte ich daran denken, den Abſcheu zu beſiegen, den ich ihr einflößte? In dieſe Betrachtungen verſunken, wagte ich es, Claudine anzuſchauen; ihre immer halb geſchloſſenen