Teil eines Werkes 
Fernand Duplessis oder Denkwürdigkeiten eines Ehemanns : 14.-17. Bändchen (1851) Fernand Duplessis ou Mémoires d'un mari
Entstehung
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wie die Froberung und ihre Folgen beſonders und immer anf den Bauern, dieſer unabläſſig ausgebeute⸗ ten, gepreßten, gequälten Race, dieſer enterbten Claſſe, von der Claudine abſtammt, gelaſtet haben; ſie iſt auch, wenn ich ihr zuweilen die gräßlichen Schmerzen der Leibeigenen und Vaſallen ſchildere, tief ergriffen, ſie ſchauert und weint, als hörte ſie die Geſchichte ihrer Familie erzählen!

„Nachdem wir ſo in den entfernten Ländern ge⸗ reiſt find und dann in der Vergangenheit gelebt haben, beſchließen wir unſern Abend durch das Schauſpiel; denn ich beſitze, ohne von den Claſſikern zu reden, eine ziemlich vollſtändige Sammlung von Theaterſtücken. Mein Freund, Dir die Freude, die Verwunderung des lieben Kindes bei der Darſtellung dieſer Perſonen zu ſchildern, die ich ſo wahr, ſo lebendig als möglich zu machen juche, indem ich ihnen beim Leſen den Ton und den Charakter ihrer Rolle gebe; Dir zu ſchildern, mit welcher Begierde ſie mir zuhört, mit welchem In⸗ tereſſe ſie den Veränderungen und Wechſelfällen des Drama's folgt, Dir ihr treuherziges, naives Gelächte bei den luſtigen Situationen, ihre Gemüthsbewegung, ihre Thränen bei den rührenden Situationen, Dir, mit einem Worte die beſtändigen Entzuckungen dieſer unſchuldigen, verſtändigen, empfindſamen Natur zu ſchil⸗ dern wäre mir nicht möglich.

„Was ſoll ich Dir ſagen, mein lieber Jean? ſo köſtlich ausgefüllt, verlaufen unſere Abendſtunden mit einer ſo unglaublichen Geſchwindigkeit, daß es oft zu unſerem großen Erſtaunen Mitternacht ſchlägt; denn ich fordere, daß ſich Claudine gewöhnlich um zehn Uhr zu Bette legt; die Strapaze unſerer langen Spazier⸗ gänge und die verzehrende Thätigkeit ihres immer ge⸗ ſpannten, immer arbeitenden, immer wachen Geiſtes machen ihr die Rube und den Schlaf doppelt noth⸗ wendig. Gott ſei Dank, ſie hat den friedlichen, tie⸗ fen Schlaf eines Kindes.

Fernand Dupleſſis. IV. 15