Teil eines Werkes 
Fernand Duplessis oder Denkwürdigkeiten eines Ehemanns : 14.-17. Bändchen (1851) Fernand Duplessis ou Mémoires d'un mari
Entstehung
Einzelbild herunterladen

12

kehr zu den Wirklichkeiten, welche ſchon hinlänglich grauſam für mich waren.

Ceſarine iſt aufrichtig, ſagte ich mir,ihre Frömmigkeit iſt übertrieben, aber achtenswerth; ſie will unſer früheres ſtrafbares Verhältniß durch Opfer ſüh⸗ nen, die ihr vielleicht ſo peinlich ſind als mir ... Doch der religiöſe Glaube unterſtützt ſie, hält ſie auf⸗ recht, bietet ihr unausſprechlichen Erſatz, und der Glaube fehlt mir: daher meine Qualen, meine frucht⸗ loſe Empörung gegen das Unmögliche! ..

So vergingen acht bis zehn Monate; ſie waren eine der traurigſten Epochen meines Lebens ...

Eines Tags aber, als ich endlich erkannte, es ſei kindiſch, gegen das Unmögliche zu kämpfen, ſagte ich

mir:

Wozu ſoll es dienen, daß ich in unfruchtbarer Betrübniß die letzten Jahre meiner Jugend verbrauche? Warum ſuche ich nicht das Vergeſſen meines Kummers in den Luſtbarkeiten und erreiche ſo die Reife des Al⸗ ters? Dann wird mir Ceſarine, auch alternd, keine Liebe mehr einflößen, und ich werde in ihr nur noch die zärtlichſte und ergebenſte Freundin ſehen.

Entſchloſſen, mich über die Gegenwart zu betäu⸗ ben, ſing ich nach und nach mein Junggeſellenleben wieder an, ohne jedoch, aus Achtung vor dem muſter⸗ haften Benehmen meiner Frau, compromittirende Lie⸗ besverhältniſſe zur Schau zu ſtellen; ſie forderte mich übrigens ſelbſt auf, mich von den Qualen zu zer⸗ ſtreuen, deren Urſache ſie zu ihrem Leidweſen ſei; ich gab öfter Männerdiners, von denen ſich Madame Du⸗ pleſſis entfernt hielt, um meinen Gäſten mehr Frei⸗ heit zu gönnen.

Ich ließ Pferde rennen; ich pachtete in Rambouil⸗ let die Jagd in einem Theile des Waldes und einen Pavillon, der als Rendez⸗vous diente; ich ließ ihn be⸗ quem meubliren; ich lud gute und luſtige Geſellſchaft ein; einige von meinen Gäſten brachten zuweilen ihre