3¹⁰
blick in Ruhe, mein Herz ſchlug zweimal ſtärker und raſcher, als es hätte ſchlagen müſſen.
„Dieſe Zeit war köſtlich ich lebte unabläſſig durch den Geiſt mit Jean und ſeiner Mutter, ich hatte das Bewußtſein der Erfüllung meiner Pflichten gegen Herrn Dupleſſis.
„Als ich die Verhaftung von Jean und das Schickſal, das ſeiner harrte, erfuhr, ſagte mir mein Inſtinct, ich werde ihn nicht überleben, und es ſei nicht der Mühe werth, anzufangen, ihn zu bedauern.
„Das iſt ſchlimm von mir, aber ich habe nicht einen Augenblick den Gedanken gehabt, ihn zu bekla⸗ gen; ſein Tod iſt ſchön und heilig, er wird ſterben wie ſein Vater, ein Märtyrer der Freiheit. Madame Raymond iſt eine Frau des Alterthums, ſie wird die⸗ ſen Schlag ertragen wie die Mutterl der Graechen; Alles ſieht auf das Beſte; Gott weiß ohne Zweifel, was er thut und was er will.
„Ich fühle mich nicht wohl; Alles wird bald be⸗ endigt ſein; ich werde einige Zeit das glücklichſte der Geſchöpfe geweſen ſein; ich habe mir nichts vorzuwer⸗ fen. Jean weiß nichts von meiner Liebe; er wird ſein Opfer nicht zu beweinen haben; ich befreie meinen Mann von einer ſehr großen Verlegenheit; trotz ſeiner guten Entſchlüſſe, wäre ihm meine Gegenwart am Ende unerträglich geweſen, er iſt entſchuldbar, daß er mich nie geliebt hat. Ich kann mich nicht weiter erklären, das iſt ſein Geheimniß und nicht das meinige.
„Das Unrecht von Herrn Dupleſſis und mir iſt
geweſen, daß wir uns ohne Liebe geheirathet haben.
Du haſt, wie Du ſagſt, meine Briefe aufbewahrt; ich
wünſche, meine Freundin, daß Du ſie ihm ſchickſt, wenn ich todt bin. Er iſt noch jung, er wird ſich wieberverheirathen, und vielleicht, wenn er erfährt, was dieſe Ehe für mich geweſen iſt, wird er nachden⸗ ken und nicht den Muth haben, unter ähnlichen Um⸗


