303
Berr, ſo wiſſen Sie, daß mein Sohn, u ihn deshalb, einem übertriebenen Zart geben hat. Gott ſei Dank, ſeine Befürg nicht gegründet.“
„Ein Irrthum, Madame; Albine „Albine?“ „Sie hat es mir geſtanden.“ „Sie! das unglückliche Kind!“ „Ja, Madame, ja, ſie iſt ſehr unglücklich, denn dieſes ehrliche Geſtändniß, über das ſie nicht zu errö⸗ then brauchte, ich habe es mit Härte aufgenommen, ich bin ihr verächtlich, grauſam begegnet . .. Ruhig und bewunderungswürdig durch Sanftmuth und Seelenadel geblieben, Ihre Rathſchläge befolgend, ihr Leben edel durch Beſchäftigung ausfüllend, kam ſie gewiſſenhaft ihren Pflichten gegen mich nach. Weit entfernt, mein Mitleid zu erregen, erbitterten mich dieſe Sanftmuth, dieſe Seelenheiterkeit; ich ſah mit gleichgültigem Auge ihre Geſundheit abnehmen .. Was ſoll ich Ihnen ſagen, Madame? Meine Aufrichtigkeit im Geſtändniß des Böſen wird Sie vielleicht an die Aufrichtigkeit ₰ meiner Reue und meiner Entſchlüſſe für die Zukunft glauben machen. Ja, da ich meine Frau von mir los⸗ gebunden und immer mit Jean beſchäftigt wußte, ging ich bis zu dem abſcheulichen Gedanken, daß, wenn ber Zufall mir Albine nehmen würde .. „Mein Herr, vollenden Sie nicht!“ rief Madame Raymond ſich mit Entſetzen von mir entfernend, „oh! vollenden Sie nicht.“ „Das Entſetzen, das ich Ihnen einflöße, Ma⸗ dame, ich habe es gegen mich felbſt empfunden, als meine Frau, die nur für Ihr Leben und für das von Jean zitterte, mir ihr Herz eröffnete. Ah! glauben Sie mir, der Haß, von dem meine Seele erfüllt war, hat ſich in ein tiefes Mitleid verwandelt, als ich den düſtern, er⸗ ſchrecklichen Schmerz von Albine ſah, da ſie das furchtbare Schickſal erfuhr, von dem Sie hedroht waren . Madame, im Namen der Unglücklichen, die Sie ihre
gen waren
liebt ihn.“


