293 „Ich habe Alles durch unſern Präfecten erfahren,“
erwiederte ich. Dann, nachdem ich Jean herzlich um⸗ armt hatte, wandte ich mich gegen Madame Raymond, verbeugte mich verlegen vor ihr und ſagte:
„Madame, werden Sie es entſchuldigen, daß ich mir die Freiheit genommen habe, hierher zu kommen, ohne von Ihnen gerufen worden zu ſein ?*
„Ich danke Ihnen, Herr Dupleſſis, für dieſen Be⸗ weis von Zuneigung für meinen Sohn . . Und wie geht es der lieben Albine?“
„Sie war ſeit einiger Zeit leidend, Madame, und unglückticher Weiſe hat ſie, wie ich, auf eine un⸗ geſtüme Art Ihre Verhaftung erfahren.“
„Armes Kind!“ verſetzte traurig Madame Ray⸗ mond; „ich kenne ihre Freundſchaft für uns . . . und beurtheite danach ihre Unruhe.“
„Dieſer Schlag iſt auch für ſie eben ſo plötzlich als heftig geweſen: ſie wollte mich hierher begleiten ihre Kräſte ſind zu Verräthern an ihr geworden.
Der Arzt hat mich ein wenig beruhigt, ohne jedoch meine Befürchtungen ganz zu zerſtreuen. Doch Sie, Madame, Sie? Mein Gott! ich habe erfahren, mit welcher Barvarei Sie behandelt worden ſind! ... Und Ihre Wunde?“ „Ich glaube, ſie wird keine ernſte Folgen haben; zum Glück iſt der Mann, den mein Sohn geſtochen at, wie man uns geſagt, außer Gefahr. Ich hätte ir den Tod dieſes Unglücklichen immer zum Vorwurf gemacht.“ „Das war der einzige Gedanke meiner Mutter ſeit unſerer Einkerkerung,“ ſagte Jean zu mir; „ſie hat die ohheit dieſes Elenden . . die Grauſamfeit ſeiner enoſſen vergeſſen, welche ſie beinahe getödtet hätten, wöhrend ſie mich treffen wollten. Du erkennſt ſie hieran, mmer edelmüthia!“ „Das iſt nicht Edelmuth, ſondern Gerechtigkeit, ein Freund; dieſe unglücklichen Gendarmen treiben


