Teil eines Werkes 
Fernand Duplessis oder Denkwürdigkeiten eines Ehemanns : 5.-9. Bändchen (1851) Fernand Duplessis ou Mémoires d'un mari
Entstehung
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Gänge und kam an eine dicke Thüre, an der eine Oeff⸗ nung mit einem Schieber angebracht war.

Ich bat den Schließer, hineinzugehen und Madame Raymond zu fragen, ob ſie Herrn Fernand Dupleſſis empfangen könne; dann blieb ich allein und wartete voll Angſt auf die Antwort.

Dieſe Antwort ließ nicht lange auf ſich warten.

„Treten Sie ein, mein Herr,“ ſagte der Gefangen⸗ wärter zu mir.

Nie werde ich dieſes traurige Bild vergeſſen: ein kleines Fenſter, beinahe ganz verdunkelt durch ein ſchwe⸗ res eiſernes Gitter, ließ kaum das Licht in dieſe Art von Caſematte mit den kahlen, grauen Wänden von Quaderſteinen, ſtellenweiſe bedeckt mit formloſen Zeich⸗ nungen oder Inſchriften, Früchten der trübſeligen Muße der Gefangenen, eindringen. Das Geräth dieſer Z lle beſtand aus einer eiſernen Bettlade mit einem Stroh⸗ ſack; gegenüber fand ſich eine Kiſte von weichem Holz, auf der der Shawl und der Hut von Madame Ray⸗ mond lagen; unter dem Fenſter ein Stuhl und ein plumper Tiſch, auf welchem ich einen irdenen Topf einen herrlichen Roſenſtrauß enthaltend erblickte; das friſche Colorit der Roſen contraſtirte ſeltſam mit der düſtern Traurigkeit dieſes Ortes. 4 In einen dunkeln Schlafrock gehüllt und die Füße unter einer grauen, groben wollenen Decke verborgen, ſaß Madame Raymond auf ihrem Bette und lehnte ſich an das Kopfkiſſen an. Ihr Geſicht war bleich gewor⸗ den; eine ſehr einfache und ſehr weiße kleine Haube verbarg halb ihre blonden Haare. Als ſie mich er⸗ blickte, faltete ſich ihre Stirne leicht; dann wurde ihre Phyſiognomie wieder ſanft und ernſt.

Sobald ich eintrat, kam mir Jean raſch entgege reichte mir ſeine beiden Hände und ſagte bewegt zu mir:

„Ich erwartete Dich . in dem Falle, daß das Gerücht von unſerer Gefangennehmung zu Dir gedrun⸗ gen wäre.“