Teil eines Werkes 
Fernand Duplessis oder Denkwürdigkeiten eines Ehemanns : 5.-9. Bändchen (1851) Fernand Duplessis ou Mémoires d'un mari
Entstehung
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in dem Maße zu werden, in welchem ihr Körper ab⸗ nahm, und oft, wenn ich ſie hörte, traten mir die Thrãä⸗ nen in die Augen.

Dann aber erinnerte ich mich wieder, dieſe Geſänge ſeien ohne Zweifel an Jean gerichtet, und ich entfernte mich, die Wuth im Herzen.

Ich lebte nicht. Die Erinnerung an Madame Rah⸗ mond belagerte mich unwillkürlich; die geſunde Ver⸗ nunft ſagte mir oft, wenn ich den Muth gehabt hätte, die Rathſchläge der Mutter von Jean zu befolgen, wenn ich, wie ſie es nannte, der Liebhaber meiner Frau geworden wäre, ſo wäre ich ſo glücklich geweſen, als ich mich nun unglücklich fühlte.

Aber es war zu ſpät, ich hatte Albine bei ihrem Entgegenkommen zurückgeſtoßen, ich hatte ihr Herz ver⸗ letzt, ihre Inſtincte, ihre gebieteriſchen Bedürfniſſe der Zärtlichkeit, der Zuneigung zurückgedrängt, und ge⸗ zwungener Weiſe hatte ſie dieſelben auf Jean über⸗ tragen.

Ich war auf einem der verhängnißvollen Wege, die man zum Böſen auslaufen ſieht, und auf denen man, aus Mangel an energiſcher Tugend, dennoch mit einer Art von wilden Befriedigung immer weiter geht.

Oh! arme gute Großmutter, wie oft habe ich, nicht Dich, Du liebteſt mich nach Deinem Herzen und der Natur Deines Geiſtes, aber Deine ſorgloſe, leicht⸗ ſinnige Philoſophie verflucht! Sie hat mich von RKindheit an daran gewöhnt, das Leben aus dem Ge⸗ ſichtspunkte des Vergnügens und des Gefallens zu betrachten, und nicht aus dem Geſichtspunkte der männ⸗ lichen Pflichten des Menſchen und der ſtrengen Selbſt⸗ ſchätzung.

In dieſem Geiſteszuſtande ſetzte ich mein ſeit langer Zeit unterbrochenes Tagehuch fort.

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