Teil eines Werkes 
Fernand Duplessis oder Denkwürdigkeiten eines Ehemanns : 5.-9. Bändchen (1851) Fernand Duplessis ou Mémoires d'un mari
Entstehung
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übrigens — etwas Seltſames, was ohne Zweifel dazu beitrug, jede ernſte Beſorgniß über die Geſundheit meiner Frau von mir zu entfernen, — übrigens ſchien ſie durchaus nicht zu leiden; ihre Phyſiognomie, ob⸗ gleich bleich und mager, bewahrte eine ungeſtörte Hei⸗ terkeit; ihre blauen Augen, welche ihre hohlen Wangen noch größer ſcheinen ließen, waren glänzend und durch⸗ ſichtig, ihre mehr roth als roſenfarbig gewordenen Lip⸗ pen, die glänzende Weiße ihrer Zähne offenbarten keine verborgene Krankheit; Albine hatte endlich ganz den Anſchein einer natürlich magern und bleichen Frau, die ſich ſehr wohl befinden würde. Ihre Thätigkeit war unbegreiflich; zuweilen machte ſie zwei bis drei Meilen zu Fuß, um in einer von meinen Meiereien arme Leute zu beſuchen, die ſie unterſtützte. Sie las ungeheuer, zeichnete ſich viele Bemerkungen auf, und ihre durch die Zufälle unſerer ſpärlichen Geſpräche herbeigeführten Antworten zeugten zuweilen von zahlreichen Kenntniſſen, die ſie ſich täglich erwarb; es verging kein Abend, ohne daß ſie in ihrem Zimmer Muſik machte. Gereizt durch die Hintergedanken, die ſich in ihrem Geiſte mit gewiſ⸗ ſen, ohne Zweifel an die Erinnerung an Jean gerich⸗ teten Stücken verbinden mußten, ſagte ich eines Tags ungeſchlacht zu Albine: die Muſik mache mir Kopf⸗ ſchmerzen nach Tiſche, und ſie ſolle ihr unerträgliches Clavier in den an ihre Wohnung anſtoßenden Salon bringen laſſen. Sie entſchuldigte ſich, daß ſie mir un⸗ willfürlich unangenehm geweſen, und machte nie mehr Muſik in meiner Gegenwart.

Durch einen bizarren Widerſpruch verbarg ich mich dann oft, um ſie unbemerkt unter ihren Fenſtern zu hören, die ſie offen ließ, wenn der Abend mild und der Mond glänzend war; dieſe immer ſchwermüthigen und zarten Melodien, mit einem wirklichen Talente ausgeführt, denn die Fortſchritte von Albine waren unglaublich, beruhigten mich manchmal. Ihre Stimme ſchien vibrirender, ätheriſcher, wenn man ſo ſagen darf,