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LI.
Fortſetzung des Tagebuchs.
Der Zuſtand meiner Seele war ſo, daß dieſer Brief mich gegen Albine erzürnte. In dieſen vertraulichen Bekenntniſſen an eine Freundin gerichtet fand ich zugleich die Verurtheilung meines vergangenen Benehmens gegen meine Frau und, ſo zu ſagen, eine Lection in Betreff meiner tollen Lei⸗ denſchaft für Madame Raymond.
Wie Albine, liebte ich ohne Hoffnung; aber ſtatt,
wie ſie, eine unſchuldige Zuflucht in tröſtenden Illuſio⸗ nen zu ſuchen, fühlte ich nur Bitterkeit und Zorn.
Mein Charakter wurde immer verdri ßlicher; die Galle war, wie man zu ſagen pflegt, in mein Blut ubergegangen; ich hatte es bis dahin nie an Ruckſichten gegen meine Frau fehlen laſſen: allmalig wurde ich ſehr hart, oft grob gegen ſie. Sie ert ug meine Härten, meine Sarkasmen mit einer milden Würde, mit einer ſanften Refignation, erfüllte gewiſſenhaft ihe Pflichten gegen mich, und fuhr fort, wie ſie es ihrer Freundin geſagt hatte, — als ehrliche Frau ihre Spiel⸗ ſchuld zu bezahlen.
Zwei Monate nach der Abreiſe von Jean war Al⸗ bine nur noch der Schatten von ſich ſelbſt, ihre glän⸗ zende Friſche hatte einer matten, oben an den Wangen durch eine ficberhafte Röthe leicht belebten Blaſſe Platz gemacht. Sie nahm immer mehr ab, aß kaum und ſchlief beinahe nicht; Madame Claude verſicherte mich ſie höre meine Frau oft in der Nacht langſam auf und abgehen, und ſie müſſe den größten Theil der Zeit, die ſie im Bette bleibe, leſen; denn ſie nahm im⸗ mer am Abend Bücher in ihr Zimmer mit, und am Morgen waren ihre Kerzen beinahe völlig abgebranntz
Fernand Dupleſſis. II. 18
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