Teil eines Werkes 
Fernand Duplessis oder Denkwürdigkeiten eines Ehemanns : 5.-9. Bändchen (1851) Fernand Duplessis ou Mémoires d'un mari
Entstehung
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Dies, meine arme Freundin, war die erſte Nacht, die ich im Schloſſe zugebracht habe.

Am andern Morgen, bei meinem Erwachen, drangen die Sonnenſtrahlen durch die Spalten meiner Läden ein. Ich hörte zehn Uhr ſchlagen. Die Ruhe, der Schlaf hatten meine Gemüthsbewegungen des vorher⸗ gehenden Abends ſehr beſänftigt. Ich faßte meine Lage kälter ins Geſicht, und indem ich mich meiner Befürch⸗ tungen und meiner Pläne erinnerte, ſchalt ich mich ſtrenge, daß ich die unausführbare Idee gehabt habe, das Schloß zu verlaſſen und mich von meinem Manne zu trennen, ſollte er ſich weigern, mich nach Paris zu⸗ rückzuführen. Endlich wiederholte ich mir (vas iſt mein großes Schlachtroß), ich müſſe den beſtmöglichſten Vortheil aus meiner Lage ziehen, und im Ganzen keh⸗ ren wir ja in ein paar Monaten nach Paris zurück, wo ich meine Familie und meine Freundinnen wieder⸗ finden werde; meine Freundinnen, das heißt Dich!

Ich ſtand viel vernünftiger, als am Tage vorher auf, zog einen Schlafrock an und öffnete meine inneren Läden, um durch die Sommerläden den Anblick des Parks an dieſem ſchönen Herbſtmorgen zu genießen; denn das Wetter war nun eben ſo ſchön, als es am vorhergehenden Tage düſter geweſen war.

Was iſt doch ein wenig Sonne am Himmel und ein wenig Hoffnung im Herzen, liebe Freundin? Die⸗ ſer Park ſchien mir völlig verändert ſeit dem vorher⸗ gehenden Tage; der Raſen war nun ſmaragdgrün, die Bäume hatten die ſchönen röthlichgelben und braunen Farben des Spätjahres; der Fluß, von welchem ſich ein leichter Dunſt erhob, glänzte in der Sonne wie Silber unter einer Gaze; der friſche Morgenwind brachte mir den ſo ſüßen Geruch des wilden Geisblatts, das ohne Zweifel zufällig in irgend einem Winkel wuchs; in der Ferne endlich und auf dem Wieſenplane weidend ſah ich eine Herde ſtattlicher weißer und orangefarbi⸗ ger Kühe; das Wetter war, wie geſagt, herrlich, ich

Fernand Dupleſſis. II. 4