40
Hören Sie auf meinen Rath, er wird immer der Ihres beſten, Ihres aufrichtigſten Freundes ſein. Seien Sie beſonders auch aufrichtig gegen mich, ſelbſt auf die Ge⸗ fahr, mir vorübergehend zu mißfallen, und Sie werden Ihrerſeits aus mir machen, was Sie wollen. Sind wir hierüber einverſtanden?
llbine: — Einverſtanden, Herr Fernand.
Unſer Geſpräch dauerte in dieſem freundſchaftlichen Tone bis hierher fort. Nach dem Abendbrod führte ich meine Frau in ihr Zimmer, und ich bin in das meinige zurückgekehrt, wo ich dieſe Zeilen ſchreibe.
Ich habe aufmerkſam meine erſte ernſte Unterredung mit Albine wieder geleſen; es iſt ſo, ich habe nichts vergeſſen. Im Ganzen bin ich ſehr zufrieden mit mei⸗ ner Frau, durchaus ſo hatte ich ſie beurtheilt: viel Sanftmuth, Schüchternheit, wenig Geiſt, kein Wille; denn ich kann ſie nicht als Willen nehmen, die bei jun⸗ gen Mädchen natürliche Velleität, auf den Ball, in die Oper zu gehen u. ſ. w. kurz ſich zu beluſtigen, wie ſie ſagen, die Treuherzigen!
Ich begreife auch vollkommen, daß das Leben, von dem ich Albine ein Bild ſkizzirt habe, dieſer beim erſten Anblick langweilig und eintönig ſcheint, es muß in der That ſo ſcheinen, betrachtet aus dem Geſichtspunkte der Narren, die das Glück in den albernen Ergötzlichkeiten der Welt ſuchen; in Wirklichkeit aber, für vernünftige Menſchen, gibt es keine beſſere, für die Seele und den Leib geſündere Exiſtenz als die, welche meiner Frau vorbehalten iſt. Was ſehlt ihr? Wird ſie nicht ein ſchönes Schloß haben? einen herrlichen Park, eine gute Tafel, Pferde und Wagen zu ihren Befehlen; die freie Verfügung über fünfundzwanzig Louis d'or monatlich für
ihre Launen und Almoſen, einen väterlichen Gatten,
und die Achtung Aller, wenn ſie dieſelbe, wie ich es überzeugt bin, verdient. Was das Begehren von Albine, oft und lange nach


