Teil eines Werkes 
Fernand Duplessis oder Denkwürdigkeiten eines Ehemanns : 5.-9. Bändchen (1851) Fernand Duplessis ou Mémoires d'un mari
Entstehung
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tenſion. Während es im Gegentheil alle ehrliche und vernünftige Menſchen vollkommen billig und ge⸗ recht finden werden, wenn ein Mann mit meinen Le⸗ bensvorgängen heirathet, wie ich es thue.

Mehr noch, der Familie von Albine ſelbſt iſt in Folge von Erkundigungen, die ſie bei den ſchätzbarſten

Perſonen eingezogen hat, meine Vergangenheit nicht

unbekannt, denn ohne über die Zahl und den Namen meiner Geliebten unterrichtet zu ſein, weiß ſie, daß ich viel geliebt habe, zu viel vielleicht, und das beruhigt dieſe Familie; ſie ſieht darin mit Recht ein Pfand der Sicherheit für die Zukunft ihrer Tochter.

Ich irre mich alſo nicht, wenn ich ſage, die mora⸗ liſche Lage der Frauen ſei völlig verſchieden von der unſern; was ſchmeichelhaft für unſern Ruf als Welt⸗ mann iſt, wäre tödtlich für ihren Ruf als ehrliche Frau.

Ich habe mir daher keinen Vorwurf zu machen, keinen Gewiſſenszweifel zu hegen, wenn ich ein Mädchen heirathe, deſſen Herz rein und jungfräulich von jeder Liebe, ich, deſſen Herz abgenutzt iſt durch alle Trunken⸗ heiten der Seele und der Sinne.

Ich fordere den größten Rigoriſten heraus, mein in jeder Beziehung mit den Gebräuchen, den Sitten, den Geſetzen und der Religion im Einklang ſtehendes Benehmen zu tadeln, denn ich wüßte nicht, daß der Civilbeamte oder der Prieſter ſich je weigern, eine Ver⸗ bindung einzuſegnen, weil der Bräutigam mehr oder weniger Geliebten gehabt hat.

Und es muß ſo ſein; wir würden ſonſt in eine erſchreckliche Sittenloſigkeit, in einen wilden Zuſtand verſinken; man nehme wirklich an, die Liebesſchwächen der Frau vor ihrer Verheirathung werden als eben ſo gleichgültig betrachtet, wie die Liebesabenteuer des Mannes? Wohin würden wir gehen? geraden Weges nach Otaheiti.

Mein, nein, es iſt Gott, ſei Dank keine Gleichheit