Bei unſerer Rückkunft erwartete uns ein ausge⸗ zeichnetes Mittagsmahl; während ich mich ankleidete, machte Roſa eine durch Friſche und Eleganz reizende Landtvilette; ich glaube, ich habe ſie nie hübſcher ge⸗ ſehen: die gewöhnlich anziehende Belebtheit ihres Ge⸗ ſichtes hatte ſich mit einer Art von ſanften Schwermuth verſchleiert; ich fühlte mich unter demſelben Eindruck, ohne ihn mir mehr zu erklären, denn am Ende unſerer Promenade waren wir, die wir gewöhnlich ſo geſchwätzig und heiter, ſchweigſam und nachdenkend geworden. Wir ſpeiſten unter vier Augen; Alles, was der zarteſte und leckerſte Geſchmack, die ſeltenſte Eleganz zu erſinnen und zu träumen vermöchten, war vereinigt in dieſem Speiſeſaal mit den goldumrahmten Füllungen, Vögel, Früchte und Blumen vorſtellend, von einem Colorit nicht minder friſch, als der Berg von Roſen, Gera⸗ nien und Azaleas, den wir durch unſere geöffneten Fenſter ſahen, welche eine Vaſe von Porphyr beherrſchten, aus der ein ſilbernes Waſſer in ein großes Becken von weißem Marmor fiel.
Gegen das Ende des Mahles kam einer von den Leuten von Roſa ganz beſtürzt und meldete, mein Grvom ſei ſo eben entſetzlich vom Pferde geſchlagen worden. (Dies war der verabredete Vorwand, und meine junge Schelmin ſpielte die Komödie vortreff⸗ lich.) Der genannte Grvom war liebreich in ein Zim⸗ mer der Geſindewohnung gebracht wurden; ich ſollte zu Pferd nach Paris zurückkehren. Roſa ſagte mir vor ihren Leuten, ich könne nicht daran denken, den armen Jungen in einem ſo kläglichen Zuſtande mitzu⸗ nehmen, ich müſſe mich darein fügen, die Nacht in Saint⸗Preuil zuzubringen, wo ſie mir Gaſtfreund⸗ ſchaft biete, und ich möge dann am andern Tage abrei⸗ ſen. Der Vorwand war genügend, ich willigte ein und entfernte mich, um menſchenfreundlich meinen Groom zu beſuchen. Der Burſche gab gräßliche Schreie von ſich; er ſchwur, es ſeien ihm wenigſtens drei bis


