nete, wo ich einen ſchwermüthigen, letzten Blick auf dieſe Jahre ſo voll von Hoffnungen, von Vergnügen, von Jugend, von Kraft und Liebe werfen ſollte.
Dann folgte auf dieſes ſchmerzliche Gefühl die Betrachtung:
Warum dieſes Bedauern?
Habe ich nicht bis auf die letzte alle Gemüths⸗ bewegungen verbraucht, die dem Menſchen zu erleben vergönnt iſt?
Sind mein Herz und meine Sinne nicht todt?
Habe ich den Willen und die Kraft, dieſes frühere Leben fortzuſetzen, auf das ich ebenſowohl aus Ohn⸗ macht, als aus Sättigung verzichte?
Rein, nein, der letzte auf die Vergangenheit ge⸗ worfene Blick tröſte mich.
Sagen wir uns im Gegentheil, ich habe alle dieſe fortan unmöglichen Genüſſe gekannt, erſchöpft.
Und während ich nach und nach die vergänglichen Andenken an dieſe, leider oft nicht weniger vergäng⸗ lichen, Gefühle zerſtörte, beſchwor ich durch den Geiſt die einſt geliebten Geſtalten herauf und widmete ihnen eine letzte Erinnerung.
Lebe wohl, Annette, meine erſte Geliebte, welche das Feuer dämpfte, das der Anblick von Madame Raymond und aufregende Lecture in mir entzündet hatten.
Arme Anneite, arme Kammerjungfer meiner Groß⸗ mutter! Du konnteſt weder leſen, noch ſchreiben, Du warſt gemein, aber ich zählte ſechzehn Jahre ur u achtzehn. Du ließeſt mich Deine Niederlage nicht durch lange Bitten erkaufen; Du gabſt Dich demüthig mir hin; Du warſt unſchuldig, ſanft, hübſch, und, was ſelten iſt, uneigennützig; ich habe von Dir, wie ein Jüngling vas Pfand eines erſten Sieges bewahrt, ein ſilbernes Ringchen aufbewahrt, das Dü von Dei⸗ ner Heimath gebracht hatteſt. Wer halte Dir dieſes Ringchen gegeben? Ich weiß es nicht. Doch Du be⸗


