Teil eines Werkes 
1. Band, Therese Dunoyer : 1. Band (1845) Thérèse Dunoyer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

*

173 heirathen und was that ich? Ich verliebte mich leidenſchaftlich

in Dich und kam minder reich zurück, als ich abgereiſet war.

Aber denke Dir! errathen zu⸗laſſen, daß der Mar⸗ quis von Beauregard, der Marquis von Beauregard, dieſer große berühmte Rous, eine ſolche Schule gemacht habe, das war unmöglich; ich verdoppelte meine Ausgabe, und man glaubte, ich habe mich durch meine Heirath bereichert; ich nahm mir zwei Mädchen zu Geliebten ſtatt einer und man meinte, ich verachte Dich. Während ich die Frau, die mich nach der An⸗ ſicht der Leute bereichert hatte, ſo behandelte, zeigte ich ſtolze Unabhängigkeit; meine Aufmerkſamkeit gegen Dich würde man als eigennützige Kriecherei ausgelegt haben.

Alles war Lüge. Dolvrita mia, Deine naive Anmuth und Beine rührende Natürlichkeit hatten auf mich einen tiefen Eindruck gemacht; ich kannte nichts Reizenderes als Dich und tenne jetzt noch nichts; ich habe in meinem Leben nur Dich ge⸗ liebt; Du biſt die Einzige geweſen, auf die ich tief und mit Schmerzen eiferſüchtig war.

Die cyniſchen und grauſamen Scherze, die ich gegen meine Freunde machte, indem ich ſie aufforderte, ſich mit Dir zu beſchäftigen, brannten mir auf den Lippen.

Jeden Tag nahm meine leidenſchaftliche Liebe zu Dir zu; Dein ſcheinbar zurückhaltendes, kaltes und würdevolles Beneh⸗ men ſteigerte mein Vertrauen und meine Kühnheit.

Ich, ich forderte mit Vergnügen die Gefahr heraus, die ich nicht fürchtete. Ich rief keck Anbeter in Deine Nähe, weil ich Dich für die tugendhafteſte Frau hielt; kurz, ich ſtellte mich, als verſchmähete ich den koſtbaren Schatz, um den mich Alle beneideten und auf den ich im Herzen ſo ſtolz und ſo eifer⸗ ſüchtig war.

So wurde meine abſcheuliche Laſter⸗Eitelkeit befriedigt, und meine verblendete, vertrauensvolle Liebe zu Dir machte täglich neue Fortſchritte.

Warum ſollte ich in dieſer Stunde Dich belügen, Dolv⸗ res? Ich kann Dir Alles ſagen; höre alſo den letzten Plan an, den ich mir entworfen hatte.

Ich hielt Dich durch eine zweijährige ſtrenge Beſtändig⸗ keit für hinreichend geprüft; ich glaubte, Du hätteſt den Ge⸗ fahren, mit denen ich Dich umringte, ſo vollkommen wider⸗