14⁴
ganteſten Damen nicht in anmuthigerer Einfachheit hätten erſcheinen können.
In weniger als einer Viertelſtunde waren alle Gäſte da; man wartete nur noch auf Herminie, Roſa und den Marquis.
Der Letztere war ein ſolches Muſter der guten Lebensart, daß Jedermann ſein Ausbleiben für unwillkührlich hielt und Niemand daran dachte, ihm daſſelbe übel zu nehmen.
Alle Gäſte des Herrn von Beauregard ſahen vergnügt aus.
Das Vergnügen oder vielmehr die Hoffnung auf Vergnü⸗ gen lag gleichſam in der Luft. Die Herren kannten und freuten ſich, bei einander zu ſein; die Damen wußten, daß ſie bewun⸗ dert und nach ihrem Verdienſte gewürdigt werden würden, die eine nach ihrem Geiſte, die andere wegen ihrer Luſtigkeit, die dritte wegen ihrer Schönheit.
Wir ſagten, alle Gäſte des Herrn von Beauregard hätten vergnügt ausgeſehen; wir irrten uns: Cwen von Ker⸗Ellio war ernſt, aufmerkſam und diesmal ein wenig verlegen, ob ihn gleich Herr von Montal allen Herren vorgeſtellt hatte.
Herr Labirinte, der doetrinaire Deputirte, ſchien ſich eben⸗ falls unbehaglich zu fühlen; er erröthete von Zeit zu Zeit, ob⸗ gleich Niemand mit ihm ſprach, denn mit Ausnahme Montal's und des Kapitäns Des Roches kannte er die Andern kaum von Anſehen.
Herr Alonſo Flores endlich ſtand ſeit ſeinem Eintritte un⸗
beweglich vor einem Küpferſtiche, die Erziehung Achills vor⸗ ſtellend, den er mit der größten Aufmerkſamkeit zu betrachten ſchien.
Endlich hörte man zwei Wagen ankommen und halten und Alle riefen: „Der Marquis! da kommt er!“
Es waren wirklich der Marquis in ſeinem und Roſa und Herminie in ihrem Wagen. Trotz ſeiner chniſchen Affectation wich der Marquis nie von einer gewiſſen Etiquette ab. Die beiden Schweſtern ſchienen nur zufällig zugleich mit ihm ange⸗
kommen zu ſein. Er fand es angenehm, ſich durch ſie einen Triumpheintritt zu verſchaffen.
Ein Haushofmeiſter öffnete wirklich geräuſchvoll die beiden Flügel der Thüre und der Marquis erſchien zwiſchen den beiden Schweſtern, die er führte. 7


