XII. Das Kaffeehaus Rocher de Canecale.
Als Ewen und Herr von Montal in das Zimmer traten, das für die Gäſte des Marquis beſtimmt war, war der letztere noch nicht angekommen.
Der Kapitän Des Roches ſprach mit Herrn Labirinte, ſeinem Nebenbuhler, wie ihn Beauregard genannt hatte.
Herr Labirinte, der Dichter und Abgeordnete, war ein junger friſcher blonder Doctrinär mit hübſchem Geſichte und erröthete wie ein junges Mädchen bei dem geringfügigſten leicht⸗ fertigen Ausdrucke; aus übergroßer Blödigkeit wagte er die Tribune nicht zu betreten, aber mit der Feder in der Hand, in der Stille ſeines Studierzimmers, ließ er die Oppoſition hart an durch das Organ Roupi⸗Gobillons, des Miniſters, ſeines Freundes, deſſen Reden er ausarbeitete, wie man ſagte.
Unter den anweſenden Gäſten befand ſich auch der Major Brown, ein engliſcher Offizier, der ſich durch ſeine ſeltſamen Wetten auszeichnete, welche er faſt immer gewann, denn er ging mit einer fabelhaften Unerſchrockenheit darauf ein. In England ſprach man nach folgender faſt unglaublicher That nur mit einer gewiſſen Verehrung von ihm: der Major befand ſich auf der Yacht des Lords Fitz⸗Herald auf hoher See; das Meer ging ſehr hohl und der Wind entführte dem Major die Mütze. „Ihre Mütze iſt verloren,“ ſagte der Lord zu ihm, indem er ihm die Kopfbedeckung zeigte, die ſchon weit fort war. — „Ich wette hundert Louisd'or, daß ſie nicht verloren iſt,“ entgegnete der Major. — „Ich halte die Wette,“ ſprach der Lord und mit einem Sprunge war der Major im Meere. Er ſchwamm wie ein Fiſch, hatte aber die Kleidungsſtücke an und mußte mit be⸗ deutend hohen Wellen kämpfen. Er ſetzte ſich der größten Ge⸗ fahr aus, um ſeine Mütze wiederzuerlangen, was ihm denn auch glückte. Der Lord hatte, erſtaunt über dieſe Tollkühnheit, die Yacht ſogleich beilegen und ein Boot ausſetzen laſſen; dieſes Manöver erforderte viel Zeit, ob es gleich ſo raſch als möglich ausgeführt wurde, und als das Boot zu dem Major gelangt, waren ſeine Kräfte faſt erſchöpft.


