Teil eines Werkes 
1. Band, Therese Dunoyer : 1. Band (1845) Thérèse Dunoyer
Entstehung
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Wurzeln gegraben, wie ein Dachs, der ſein Loch baut, und nichts als Bitteres gefunden. Statt als guter Chriſt, als guter Herr zu handeln, den Zweck zu erſtreben, um deſſenwillen Gott Sie geſchaffen hat, gehen Sie umher und ſitzen und grübeln. Was ſitzt Ihnen im Kopfe?“

— „Weiß ich es? Konnte ich vorherſehen, daß meine anfangs ſo friedlichen und heitern Gedanken endlich in dunklen bittern Fluthen über ihre Ufer ſtrömen würden? Nichts iſt klarer, heller und ruhiger, als die Quelle der Helle, und doch vermiſcht ſich dieſer Fluß brauſend mit den Wogen des Meeres. Anfangs gefiel mir die Einſamkeit wohl, ich ſonderte mich mit innigem Behagen von der Welt ab; je mehr ich aber dieſe Reize würdigen lernte, deſto mehr beklagte ich es, dieſes herrliche Leben nicht mit einer geliebten Gattin theilen zu können.“

„Da haben Sie eine ſchöne Entdeckung gemacht! Habe ich Ihnen nicht hundertmal ſchon gerathen, Sie müßten ſich ver⸗ heirathen? Es iſt ja auf der Welt nichts leichter und es hat Ihnen an Gelegenheiten nicht gefehlt.“

— „Allerdings nicht, aber nachdem ich ſo lange an das

Ideal gedacht, das ich mir gebildet habe, glaubte ich endlich an

daſſelbe und die Wirklichkeit, die ich erfaſſen konnte, kam mir verächtlich vor.“

„Du lieber Gott! Mein armer Ewen, wo haſt Du alle-

dieſe Albernheiten gelernt? Wer hat Dir den Kopf zu dem Maße verwirrt? Ideale! Ideale! Nimm Dir eine brave ächte Bretagnerin, eine Monne von Kergalek zum Beiſpiel, oder eine Marie Jeane von Tremadek; Du kennſt ſie beide, haſt ſie bei dem Pardon in Falgvat geſehen. Sie ſind achtzehn Jahre alt und kerngeſund, haben friſche dicke Backen, gute Felder und dichte Eichenwälder, ſie ſind treu wie Gold, und lieblich wie eine gute Frucht; ſie werden Dir ſchöne Kinder geben, die emporwachſen wie der wilde Ginſter und Dir alle Deine Monate in Wonne⸗

monde verwandeln. Soll ich nach dem Frühſtück nach Kergalek!

oder nach Tremadek reiten? Ich werbe für Dich, man ſagt Ja, und nach zehn Wochen ſingt man bei Deiner Hochzeit Ar Chouleun. ¹)“

¹) Die Werbung, ein Nativnallied, das vor der Hochzeit geſungen wird.